Brasilianische FinTech Aktie des Tages: StoneCo Ltd.

Der brasilianische FinTech-Markt ist einer der dynamischsten Lateinamerikas. Ein sehr innovatives Finanztechnologie-Unternehmen aus dieser Region ist die StoneCo Ltd. (ISIN: KYG851581069 / WKN: A2N7XN). Seit Januar 2025 hat der Aktienkurs rund 120 Prozent zugelegt.
StoneCo bietet kleinen und mittleren Unternehmen in Brasilien eine umfassende Plattform, die Zahlungsabwicklung, betriebliche Software und Finanzdienstleistungen miteinander verbindet. Das Unternehmen entstand 2012 und hat seinen Hauptsitz in São Paulo. Dort und an weiteren Standorten arbeiten rund 17.000 Mitarbeiter.

Im Mittelpunkt steht die einfache und sichere Abwicklung von Zahlungen für Händler. Das Unternehmen stellt Geräte bereit, mit denen Kunden vor Ort per Karte, kontaktlos oder digital bezahlen können. Auch Online- und Mobilzahlungen werden unterstützt. Der Händler erhält das Geld schnell auf sein Konto, während das Unternehmen pro Transaktion eine Gebühr einnimmt. Dieser Bereich bildet die wichtigste Einnahmequelle.
Darüber hinaus liefert das Unternehmen Softwarelösungen, die den Geschäftsalltag erleichtern. Händler können damit Lagerbestände verwalten, Rechnungen erstellen, Umsätze analysieren oder die Buchhaltung vereinfachen. Die Programme sind so gestaltet, dass sie direkt mit der Zahlungsplattform zusammenarbeiten. Der Nutzer hat alles in einem System, was die Prozesse beschleunigt und die Fehler reduziert. Für den Zugang zu diesen Tools zahlen die Händler regelmäßige Gebühren.
Ein wachsender Teil des Angebots sind Finanzdienstleistungen. Viele Händler nutzen ein digitales Konto beim Unternehmen, um Ein- und Auszahlungen zu managen. Bei Bedarf können sie Kredite aufnehmen, etwa für Wareneinkäufe oder Investitionen. Die Rückzahlung erfolgt oft direkt über die laufenden Umsätze. Das Unternehmen verdient hier vor allem durch Zinsen. Der Vorteil für die Händler liegt darin, dass sie nicht zu einer klassischen Bank gehen müssen, sondern alles über eine vertraute Plattform regeln können. Besonders kleinere Betriebe schätzen diese schnelle und unkomplizierte Hilfe.
Das Unternehmen legt großen Wert auf persönliche Betreuung. In vielen Regionen Brasiliens gibt es lokale Niederlassungen, in denen Mitarbeiter die Händler direkt vor Ort besuchen. Diese Berater kennen die regionalen Besonderheiten und passen die Lösungen individuell an. Der direkte Kontakt hilft, Neukunden zu gewinnen und langfristige Beziehungen aufzubauen. Er unterscheidet das Unternehmen von rein digitalen Konkurrenten.
Die gesamte Plattform basiert auf Cloud-Technologie. Alle Daten sind sicher online gespeichert und von jedem Gerät aus erreichbar, ohne aufwendige Installationen. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in die Weiterentwicklungen, um neue Funktionen hinzuzufügen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Händler sparen dadurch Zeit und Kosten, weil sie nicht mehrere separate Anbieter koordinieren müssen. Das Geschäftsmodell richtet sich gezielt an den brasilianischen Markt, wo viele kleine und mittlere Betriebe oft nur begrenzten Zugang zu modernen Finanz- und Technologielösungen haben. Durch das Wachstum digitaler Zahlungen steigt die Nachfrage stetig. Je mehr Transaktionen abgewickelt werden und je mehr Händler die Software oder Finanzprodukte nutzen, desto höher fallen die Einnahmen aus. Seit der Gründung 2012 hat sich das Unternehmen zu einem führenden Anbieter entwickelt, indem es Technologie mit lokaler Nähe kombiniert und so vielen Unternehmen hilft, effizienter und erfolgreicher zu arbeiten.
Der Hauptgrund für den starken Rückgang des Aktienkurser ab 2021, rund 85 Prozent, lag in den extrem hohen Leitzinsen in Brasilien. Die Zentralbank hob den Leitzins kräftig an, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Das Unternehmen hatte zuvor sehr aggressiv Kredite an kleine und mittlere Händler vergeben, um das Wachstum anzukurbeln. Als die Zinsen stiegen, konnten viele dieser Kunden ihre Raten nicht mehr zahlen. Die Ausfallraten im Kreditportfolio schnellten in die Höhe, was zu erheblichen Verlusten führte. Das Unternehmen musste das Kreditgeschäft stark zurückfahren, das Wachstum bremste ein und die Ergebnisse enttäuschten die Märkte massiv. Viele Investoren hatten zuvor auf schnelles Wachstum in allen Bereichen gesetzt, doch die Realität holte das Unternehmen ein.
Zusätzlich belasteten die Nachwirkungen der Pandemie den brasilianischen Handel, die Zahlungsvolumen wuchsen langsamer und der Wettbewerb von Anbietern wie PagSeguro oder Mercado Pago nahm zu. Politische Unsicherheiten und Währungsschwankungen in Brasilien verstärkten die Skepsis der Anleger gegenüber Schwellenland-Investments.
Ab etwa 2024/2025 drehte sich die Stimmung allmählich. Das Unternehmen führte eine diszipliniertere Strategie ein, senkte Kosten, verbesserte die Kreditvergabe und konzentrierte sich stärker auf das Kerngeschäft mit Zahlungen und Software. Aktienrückkäufe und solide Ergebnisse in den letzten Quartalen halfen, Vertrauen zurückzugewinnen.
Analysten sehen das Unternehmen aktuell als günstig bewertet an, dennoch bleiben Risiken. Die starke Abhängigkeit vom brasilianischen Markt macht StoneCo anfällig für hohe Zinsen, Inflation oder eine schwache Konjunktur, die schnell auf Zahlungsvolumen und Kreditqualität durchschlagen können. Auch wenn das Kreditportfolio jetzt vorsichtiger gemanagt wird, können Ausfälle bei kleinen Händlern in schwierigen Zeiten wieder zunehmen. Der Wettbewerb im Zahlungs- und Fintech-Bereich ist weiterhin hart, neue oder etablierte Player könnten Marktanteile gewinnen. Regulatorische Änderungen in Brasilien, etwa strengere Regeln für Fintechs oder Zahlungsdienste, könnten Kosten erhöhen oder das Geschäft erschweren. Einige Analysten warnen vor einer möglichen Verlangsamung beim Wachstum der Transaktionsvolumen, wie sie bereits in manchen Perioden sichtbar war. Dazu kommen Unsicherheiten durch Führungswechsel, wie den angekündigten Rücktritt des CEOs im Frühjahr 2026.
Im dritten Quartal 2025 ist der Umsatz gestiegen auf 3,5668 Milliarden R$ (Vorjahreszeitraum: 3,0625 Milliarden R$) und das Nettoergebnis ist gestiegen auf 641,5 Millionen R$ (Vorjahreszeitraum: 598,1 Millionen R$).
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