Tschechische Drohnen Aktie des Tages: Primoco UAV SE

Drohnen haben das gesamte Schlachtfeld verändert. Ein tschechisches Unternehmen, das vermutlich so gut wie niemand auf dem Radar hat, ist Primoco UAV SE (ISIN: CZ0005135970 / WKN: A2N691). Seit dem Juni 2022 hat der Aktienkurs mehr als 250 Prozent zugelegt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 96.
Primoco UAV ist ein führender europäischer Hersteller von vollautonomen, mittelgroßen unbemannten Luftfahrzeugen vom Typ One 150 und Anbieter zugehöriger Luftverkehrsdienstleistungen. Das Unternehmen aus Prag wurde 2015 gegründet und beschäftigt rund 45 Mitarbeiter.

Primoco ist weltweit der erste Betreiber, der die zivile Betriebsgenehmigung EASA LUC SAIL III (Light Unmanned Certificate) für ein 150 kg schweres Starrflügelflugzeug erhalten hat. Das Fluggerät ist zudem das einzige, das nach NATO STANAG 4703 zertifiziert ist. Das Unternehmen ist eine zugelassene militärische Luftfahrtentwicklungs- und Produktionsorganisation (DOA/POA) gemäß EMAR 21-Standard.
Die Drohne ist 3,7 Meter lang und besitzt eine Spannweite von 4,9 Metern. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von rund 120 km/h. Je nach Ausrüstung beträgt die maximale Flugzeit bis zu 15 Stunden bei einer Reichweite von bis zu 1.800 km. Die Drohne kann Nutzlasten von bis zu 30 kg transportieren – darunter optische Tages- und Wärmebildkameras, LiDAR-Laserscanner, SAR-Radar oder Sensoren zur Signalaufklärung. Die Primoco-UAVs lassen sich von einer einzelnen Bodenstation aus von einem Piloten und einem Nutzlast-Operator ferngesteuert betreiben oder vollständig autonom entlang vorprogrammierter Routen fliegen.
Bis heute hat das Unternehmen über 200 One 150 UAVs produziert, die auf vier Kontinenten zur Überwachung strategischer Infrastruktur, zum Schutz von Grenzen und Küsten, zur Kalibrierung von Flughafenleitsystemen sowie für weitere militärische und zivile Missionen eingesetzt werden. One 150 UAVs sind als Dual-Use-Produkte bzw. militärische Ausrüstung klassifiziert. Sie tragen keine Waffensysteme.
Im Rahmen der internationalen Militärhilfe für die Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg spielen Primoco-Drohnen eine wichtige Rolle. Bereits 2022 beschaffte und übergab Luxemburg sechs Primoco One 150 an die ukrainischen Streitkräfte. Die deutsche Bundesregierung finanzierte ebenfalls die Lieferung dieses Drohnentyps: Bis Anfang 2025 wurden insgesamt 18 Systeme des Typs Primoco One an die ukrainische Armee übergeben. Die unbemannten Fluggeräte werden von den ukrainischen Streitkräften zur Aufklärung bei Tag und Nacht sowie zur Zielidentifikation im Abwehrkampf gegen die russische Invasion eingesetzt.
Primoco strebt in den kommenden Jahren ein signifikantes Wachstum an, indem das Unternehmen gezielt in den Ausbau seiner Produktions- und Infrastrukturkapazitäten investiert. Mit einer Investition von 750 Millionen CZK entstehen in Písek neue Produktions-, Service- und Trainingsanlagen: Der Bau eines modernen Hangars und eines Trainingszentrums am Flugplatz in Krašovice hat bereits begonnen und soll bis zur ersten Hälfte des Jahres 2026 abgeschlossen sein, während die neue Produktionshalle im angrenzenden Industriegebiet ab 2028 in Betrieb gehen wird. Dadurch wird die maximale Jahresproduktion von derzeit rund 65 auf bis zu 300 unbemannte Fluggeräte des Typs One 150 gesteigert, um der wachsenden globalen Nachfrage nach autonomen Systemen gerecht zu werden. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Entwicklung fortschrittlicher Technologien wie den neuen Primoco Engine 410 voran, stärkt seine führenden Zertifizierungen für zivile und militärische Einsätze und erweitert Management- sowie Vertriebsstrukturen, um neue Märkte zu erschließen und zunehmend anspruchsvollere Aufträge zu sichern – alles mit dem Ziel, seine Position als führender europäischer Hersteller mittelgroßer UAVs langfristig zu festigen.
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 lag der Umsatz bei 249,104 Millionen CZK (Vorjahreszeitraum: 331,252 Millionen CZK) und der Nettogewinn lag bei 67,147 Millionen CZK (Vorjahreszeitraum: 121,196 Millionen CZK).
Im H1 2025 wurden 14 Fluggeräte ausgeliefert (davon 12 aus neu abgeschlossenen Verträgen 2025 und 2 aus Altverträgen). Im H1 2024 waren es 18 Auslieferungen. Zusätzlich wurden im H1 2025 16 neue Verträge (Wert ca. 370 Millionen CZK / 15 Millionen EUR) abgeschlossen – im Vorjahr waren es 26. Es blieb ein Backlog von 4 Fluggeräten (Wert ca. 150 Millionen CZK / 6,1 Millionen EUR) übrig, die später ausgeliefert werden.
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