Aufzugsanlagen, Rolltreppen & Fahrsteige Aktie des Tages: Otis Worldwide Corporation

Laut einer Berechnung von Fortune Business Insights liegt die globale Marktgröße für Aufzüge und Rolltreppen 2025 bei rund 100 Milliarden USD und im Jahr 2032 könnte er bei rund 168 Milliarden USD liegen. Dies wäre ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 7,6 Prozent. Eine spannende Aktie aus diesem Sektor mit relativ wenigen Akteuren ist die Otis Worldwide Corporation (ISIN: US68902V1070 / A2P1UZ). Im März 2020 ist das Unternehmen an die Börse gekommen. In den letzten fünf Jahren hat der Aktienkurs rund 45 Prozent zugelegt, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 23 und die zu erwartende Dividendenrendite bei 1,95 Prozent. Zugegeben, die Aktie ist jetzt nicht der Outperformer, langfristig bin ich da aber deutlich zuversichtlicher.

Otis Worldwide Corporation, das weltweit führende Unternehmen im Bereich vertikaler Transportlösungen, hat ein Geschäftsmodell, das auf der Kombination aus Innovation, langfristigen Kundbeziehungen und einem ausgewogenen Mix aus Produktverkäufen und Dienstleistungen basiert. Das Unternehmen wurde im Jahr 1853 von Elisha Graves Otis in Yonkers, New York, gegründet, als er den ersten Sicherheitsaufzug erfand, der durch eine automatische Bremse Unfälle verhinderte und damit die Grundlage für moderne Hochhausbauten schuf. Diese Erfindung entstand aus der Notwendigkeit, sichere Hebesysteme für Fabriken zu entwickeln, und markierte den Beginn einer Ära, in der Aufzüge nicht mehr als riskante Experimente galten, sondern als zuverlässige Infrastruktur. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1861 übernahmen seine Söhne Charles und Norton die Führung, expandierten das Geschäft international und etablierten Otis als Pionier in der Branche.

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs das Unternehmen durch Akquisitionen und technologische Fortschritte, bis es 1976 von der United Technologies Corporation übernommen wurde, was es in einen größeren Konzern einband und Zugang zu weiteren Ressourcen ermöglichte. Erst im Jahr 2020 wurde Otis durch eine Abspaltung wieder zu einem unabhängigen, börsennotierten Unternehmen, was es ermöglichte, sich voll auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren und flexibler auf Marktanforderungen zu reagieren. Heute beschäftigt Otis etwa 72.000 Mitarbeiter weltweit, von denen viele in technischen und serviceorientierten Rollen tätig sind, um die globale Präsenz in über 200 Ländern und Territorien zu unterstützen.

Das Geschäftsmodell teilt sich hauptsächlich in zwei Segmente auf: den Verkauf neuer Ausrüstung und den Service-Bereich, wobei letzterer den Großteil der Gewinne generiert und für Stabilität sorgt. Im New-Equipment-Segment entwirft, produziert und installiert Otis Aufzüge, Rolltreppen und Fahrtreppen für Neubauten, die von Wohnhochhäusern über Bürotürme bis hin zu öffentlichen Einrichtungen reichen. Diese Produkte werden an Bauunternehmen, Architekten und Entwickler verkauft, oft in enger Zusammenarbeit, um maßgeschneiderte Lösungen zu bieten, die Energieeffizienz, Geschwindigkeit und Design berücksichtigen.

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Die Einnahmen aus diesem Bereich sind zyklisch und hängen stark von der globalen Baukonjunktur ab, insbesondere in wachstumsstarken Regionen wie Asien-Pazifik, wo Urbanisierung und Infrastrukturprojekte boomen. Otis investiert hier in Forschung und Entwicklung, um Technologien wie den Gen360-Aufzug einzuführen, der flachere Kabel und IoT-Sensoren nutzt, um Wartung vorhersagbar zu machen und Ausfälle zu minimieren. Diese Innovationen helfen, Kosten für Kunden zu senken und die Lebensdauer der Anlagen zu verlängern, was wiederum die Markenloyalität stärkt.

Der Service-Bereich, der etwa zwei Drittel des Umsatzes ausmacht, umfasst Wartung, Modernisierung und Reparaturen bestehender Systeme, nicht nur von Otis selbst, sondern auch von Konkurrenzprodukten, was das Unternehmen zu einem umfassenden Anbieter macht. Durch langfristige Wartungsverträge, die oft über Jahrzehnte laufen, schafft Otis wiederkehrendes Einkommen, das weniger anfällig für wirtschaftliche Schwankungen ist. Diese Verträge beinhalten regelmäßige Inspektionen, Software-Updates und Notfallservices, unterstützt durch ein Netzwerk von 44.000 Feldtechnikern, die rund um die Uhr verfügbar sind und 2,4 Millionen Aufzugsanlagen, Rolltreppen und Fahrsteige warten.

Die Profitabilität in diesem Segment liegt bei über 20 Prozent, da die Margen durch Skaleneffekte und digitale Tools wie die Otis ONE-Plattform gesteigert werden, die Echtzeitdaten analysiert, um präventive Maßnahmen zu ergreifen und Ausfallzeiten zu reduzieren. Dadurch entsteht ein Flywheel-Effekt: Je mehr Anlagen installiert werden, desto größer wird der Service-Portfolio, was zu höheren Gewinnen führt und Mittel für weitere Innovationen freisetzt.

Finanziell gesehen basiert das Geschäftsmodell auf einer starken Bilanz mit niedriger Verschuldung, was Investitionen in Akquisitionen erlaubt, wie die Übernahme kleinerer Servicefirmen, um Marktanteile zu erweitern. Der Fokus auf Digitalisierung, etwa durch KI-gestützte Diagnosen, verbessert die Effizienz und reduziert Personalkosten pro Serviceeinsatz. In aufstrebenden Märkten wie China oder Indien passt Otis sein Modell an, indem es Partnerschaften mit lokalen Entwicklern eingeht, um regulatorische Hürden zu überwinden und schnelles Wachstum zu erzielen.

Die Preisstrategie variiert je nach Markt: In entwickelten Ländern dominieren Premium-Produkte mit hohen Margen, während in Schwellenländern kostengünstigere Varianten angeboten werden, um Volumen zu generieren. Otis’ Erfolg hängt auch von seiner Fähigkeit ab, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, da Aufzüge strengen Sicherheitsstandards unterliegen, was hohe Einstiegshürden für neue Spieler schafft und etablierte Firmen begünstigt. Durch kontinuierliche Schulungen der Mitarbeiter stellt das Unternehmen sicher, dass Expertise auf hohem Niveau bleibt, was die Kundenzufriedenheit steigert und Verträge verlängert.

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Die Konkurrenz in der Branche ist intensiv, aber oligopolistisch strukturiert, mit wenigen großen Playern, die den Markt dominieren. Zu den Hauptrivalen gehören Schindler aus der Schweiz, das ähnlich wie Otis auf Service und Innovation setzt, aber stärker in Europa verankert ist und durch seine familiengeführte Struktur eine konservative Strategie verfolgt, die auf Qualität und Zuverlässigkeit abzielt, was zu vergleichbaren Margen führt, aber manchmal weniger aggressiv in der Expansion agiert.

KONE aus Finnland ist ein weiterer starker Wettbewerber, bekannt für seine umweltfreundlichen Lösungen und digitale Plattformen, die Otis in der Technologie herausfordern, insbesondere in energieeffizienten Systemen, und in Asien stark expandiert, wo es Marktanteile gewinnt durch Partnerschaften und lokale Produktion. ThyssenKrupp Elevator aus Deutschland konkurriert mit innovativen Produkten wie dem MULTI-System, das horizontale Bewegungen ermöglicht, und betont Modernisierung, was Otis in städtischen Umrissen Druck macht, während Mitsubishi Electric aus Japan durch Präzision und Hochgeschwindigkeitsaufzüge in asiatischen Märkten vermutlich überlegen ist, oft durch Integration in eigene Gebäudekomplexe.

Die Branche profitiert von hohen Barrieren wie Zertifizierungen und Netzwerkeffekten, die Neulinge fernhalten, doch Otis muss kontinuierlich investieren, um Vorsprünge zu halten. Im Service-Segment konkurrieren alle um bestehende Anlagen, was zu Akquisitionen kleinerer Firmen führt, um den Kundenstamm zu erweitern. Otis differenziert sich durch seine globale Reichweite und den Einsatz von Big Data, um vorausschauende Wartung anzubieten, was Ausfälle minimiert und Kundenbindung fördert.

Durch Partnerschaften mit Tech-Firmen integriert Otis smarte Gebäudetechnologien, die Aufzüge mit HVAC-Systemen verbinden, um ganzheitliche Lösungen zu bieten. Die Umsatzverteilung zeigt, dass Nordamerika und Europa stabile Märkte sind, während Asien das Wachstum treibt, mit steigenden Anforderungen an Hochgeschwindigkeitsaufzüge in Megastädten. Otis’ Modell profitiert von der Alterung globaler Infrastruktur, da viele Aufzüge aus den 1980er Jahren modernisiert werden müssen, was den Service-Umsatz ankurbelt. Die Produktion ist dezentralisiert, mit Fabriken in Schlüsselregionen, um Zölle zu vermeiden und Lieferketten robust zu halten, wie während der Pandemie bewiesen. Investitionen in Robotik verbessern die Montageeffizienz, reduzieren Fehler und senken Kosten. Der Kundenservice wird durch Apps ergänzt, die Echtzeit-Status liefern, was die Transparenz erhöht und Vertrauen schafft. Insgesamt schafft dieses integrierte Modell eine resiliente Position, die auf langfristige Trends wie Urbanisierung und Digitalisierung setzt, um kontinuierliches Wachstum zu sichern.

Im zweiten Quartal 2025 lag der Umsatz bei 3,595 Milliarden USD (Vorjahreszeitraum: 3,601 Milliarden USD) und der Otis Worldwide zuzurechnender Nettogewinn lag bei 393 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 415 Millionen USD).

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