Polnische Gaming Aktie des Tages: PlayWay S.A.

Bei Gaming-Aktien denken viele Anleger natürlich an die ganz großen, sehr bekannten Player, an ein PlayWay S.A. (ISIN: PLPLAYW00015 / WKN: A2AT5Y) aus Polen, denkt wohl so gut wie niemand. Seit Januar 2021 hat der Aktienkurs rund 55 Prozent verloren, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 16 und die zu erwartende Dividendenrendite liegt bei 7,97 Prozent.

Das Geschäftsmodell von PlayWay beruht darauf, dass das Unternehmen als eine Art Holdinggesellschaft fungiert, die zahlreiche unabhängige Spieleentwicklerteams unter einem Dach vereint und sie bei der Produktion und Vermarktung von Computerspielen unterstützt. PlayWay wurde im Jahr 2011 gegründet und hat seinen Hauptsitz in der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Muttergesellschaft selbst beschäftigt nur eine relativ kleine Zahl von etwa 40 Mitarbeitern, die vor allem in den Bereichen Management, Marketing, Qualitätskontrolle und Vertrieb tätig sind. In der gesamten Unternehmensgruppe arbeiten jedoch durch die vielen Tochter- und Beteiligungsunternehmen mehrere Hundert Menschen, da die eigentliche Spieleentwicklung in den einzelnen Studios stattfindet.

Der Kern des Geschäftsmodells liegt in der gezielten Risikostreuung. Das Unternehmen finanziert und begleitet gleichzeitig eine sehr große Anzahl von Spieleprojekten, derzeit sind es mehr als 100 Entwicklungsunternehmen, an denen PlayWay direkt beteiligt ist, und weitere Projekte in Kooperation. Dadurch entsteht eine breite Palette von Titeln, von denen nicht jedes Spiel ein großer Erfolg werden muss, um das Gesamtunternehmen profitabel zu halten. Einige besonders erfolgreiche Spiele tragen die Kosten für die anderen Projekte und sorgen für hohe Gewinne. Diese Strategie macht das Unternehmen weniger abhängig von einzelnen großen Produktionen, wie es bei vielen anderen Spieleherstellern der Fall ist.

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Die Zusammenarbeit mit den Entwicklerteams ist so organisiert, dass diese Teams weitgehend kreative Freiheit behalten. Die einzelnen Studios können ihre Ideen selbstständig umsetzen und entscheiden, welches Spiel sie entwickeln wollen. PlayWay greift nicht stark in den kreativen Prozess ein, sondern übernimmt vor allem die unterstützenden Aufgaben. Das Unternehmen stellt die Finanzierung bereit, sorgt für die notwendige Qualitätsprüfung, organisiert das Marketing und kümmert sich um den weltweiten Vertrieb der fertigen Spiele. Auf diese Weise können sich die Entwickler voll auf die Programmierung und das Design konzentrieren, während die Muttergesellschaft ihre Erfahrung in der Vermarktung einbringt.

Besonders charakteristisch für das Geschäftsmodell ist die Fokussierung auf eine bestimmte Art von Spielen, nämlich Simulatoren, in denen der Spieler alltägliche oder ungewöhnliche Berufe nachspielt. Beispiele dafür sind der Automechaniker-Simulator, in dem der Spieler eine Werkstatt leitet, der Hausumgestalter, bei dem Häuser renoviert werden, oder der Diebesimulator, der Einbrüche nachstellt. Diese Spiele sind vergleichsweise kostengünstig zu produzieren, weil sie oft auf ähnlichen technischen Grundlagen aufbauen und keine aufwendigen Grafiken oder komplexen Geschichten benötigen. Gleichzeitig sprechen sie ein breites Publikum an, das Spaß an entspannten, wiederholbaren Tätigkeiten hat. Viele dieser Titel erreichen Millionen von Verkäufen, vor allem über digitale Vertriebsplattformen wie die bekannte Plattform Steam.

Das Unternehmen arbeitet sowohl mit erfahrenen Studios zusammen, die bereits erfolgreiche Spiele herausgebracht haben, als auch mit ganz jungen Teams, die erst am Anfang stehen. PlayWay fördert diese neuen Teams bewusst, gibt ihnen eine Chance, sich zu beweisen, und hilft ihnen, professionelle Strukturen aufzubauen. Auf diese Weise entsteht ein stetiger Nachschub an neuen Ideen und Projekten. Die Kapitalgruppe umfasst derzeit mehr als 100 Beteiligungen, darunter bekannte Studios wie CreativeForge Games, Madmind Studio oder Ultimate Games. Jedes dieser Studios entwickelt eigene Spiele, die dann unter dem Dach von PlayWay veröffentlicht werden.

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Ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells ist die intensive Marketingarbeit vor der Veröffentlichung. Das Unternehmen baut frühzeitig Interesse auf, indem es Demoversionen oder kostenlose Prolog-Versionen anbietet. Dadurch entsteht bei der eigentlichen Veröffentlichung ein starker Verkaufsanstieg. Die Spiele erscheinen hauptsächlich für Personalcomputer, werden aber oft später auch auf Spielkonsolen oder mobile Geräte gebracht, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Der digitale Vertrieb ermöglicht hohe Margen, weil keine physischen Datenträger produziert und verschickt werden müssen.

Durch diese kombinierte Strategie aus breiter Streuung, kostengünstiger Produktion und starkem Marketing hat sich PlayWay zu einem der größten und erfolgreichsten Spieleunternehmen in Polen entwickelt. Das Geschäftsmodell erlaubt es, jedes Jahr Dutzende neue Titel auf den Markt zu bringen.

Der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 lag bei 141,242 Millionen PLN (Vorjahreszeitraum: 149,194 Millionen PLN) und das der Muttergesellschaft zurechenbare Nettoergebnis lag bei 66,618 Millionen PLN (Vorjahreszeitraum: 86,311 Millionen PLN). Der Rückgang hängt weitestgehend mit dem bestehenden Spielekatalog zusammen, das Management hebt neue Releases und Rechteerwerbe positiv hervor.

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