Deutsche Life-Science und Biotechnologie Aktie des Tages: Evotec AG

Auch Deutschland hat viele innovative Life-Science- und Biotechnologie-Unternehmen hervorgebracht, eines ist die Evotec AG (ISIN: DE0005664809 / WKN: 566480). Seit Oktober 2021 hat der Aktienkurs rund 94 Prozent verloren.
Evotec wurde 1993 in Hamburg gegründet, unter anderem durch den Nobelpreisträger Manfred Eigen als Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, und hat dort bis heute seinen Hauptsitz. Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern im weltweiten Durchschnitt 4.461 Mitarbeiter, nach einem Rückgang durch den Verkauf von Just – Evotec Biologics EU und den Personalabbau im Zuge der Transformationsinitiative Horizon.

Das Geschäftsmodell ist das eines integrierten Partners für Wirkstoffforschung und frühe Entwicklung. Evotec arbeitet für Pharma- und Biotechunternehmen, Stiftungen und öffentliche Auftraggeber an Programmen, die von der Target-Identifizierung über die präklinische Entwicklung bis in die Herstellung reichen. Der größte Teil der Erlöse stammt aus Dienstleistungs- und FTE-basierten Verträgen. Daneben fließen Meilensteinzahlungen und in einzelnen Fällen Lizenz- oder Royalty-Erlöse, sobald Partnerprojekte klinisch oder kommerziell vorankommen. Das Geschäftsmodell verteilt das Forschungsrisiko, weil Evotec meist nicht allein das klinische Risiko eines Wirkstoffs trägt, sondern wissenschaftliche Kapazität, Technologie und Projektsteuerung verkauft.
Operativ gliedert sich das Geschäft in zwei Segmente. Discovery & Preclinical Development umfasst die integrierte Wirkstoffforschung, etwa Small Molecules, Plattformen für Biologie und Daten sowie präklinische Entwicklung, oft in langfristigen Allianzen mit Partnern wie Bristol Myers Squibb oder Almirall. Just – Evotec Biologics entwickelt und produziert Biologika, insbesondere Antikörper, und setzt dabei auf kontinuierliche Herstellungsverfahren. Mit dem Angebot J.TRAIN können Kunden diese Technologie auch in eigenen Anlagen nutzen, statt ausschließlich Kapazität bei Evotec zu buchen. Einnahmen entstehen hier aus Entwicklungsaufträgen, Produktionsleistungen und Technologielizenzen, wie zuletzt im Geschäft mit Sandoz.
Wachsen will Evotec in den kommenden Jahren über die Initiative Horizon, die im März 2026 als nächste Phase der strategischen Neuausrichtung vorgestellt wurde. Das neue Betriebsmodell ist auf die drei Säulen Operations, Wissenschaft und kommerzielle Umsetzung ausgerichtet. Standorte und Strukturen sollen verschlankt, Centers of Excellence gebündelt und der Vertrieb enger an die Kundennachfrage gekoppelt werden. Die strukturellen Maßnahmen sollen bis Ende 2027 eine Run-Rate-Ersparnis von rund 75 Millionen Euro bringen. Parallel soll die Auslastung im Discovery-Geschäft steigen, das im ersten Halbjahr 2026 unter schwacher Auftragsumwandlung und zurückhaltender Nachfrage litt.
Ein zweiter Wachstumshebel ist die bessere Monetarisierung von Just – Evotec Biologics. Evotec verschiebt das Segment von einem kapitalintensiven Kapazitätsmodell hin zu einem technologiegetriebenen Ansatz, bei dem Lizenzen, Entwicklungsaufträge und kontinuierliche Fertigung skalieren sollen. Die Kooperation mit Sandoz zu Biosimilars, die Vereinbarung mit BARDA zur Antikörperproduktion und die Ausweitung des Kundenstamms sind dafür zentrale Bausteine. Gleichzeitig will das Unternehmen die eigene und die partnergeführte Pipeline weiter ausbauen und in klinische Studien bringen, um Meilensteine und spätere Beteiligungen an Umsätzen zu erhöhen.
Der mittelfristige Rahmen für 2026 bis 2030 sieht einen Umsatzanstieg auf über eine Milliarde Euro bei einem durchschnittlichen Wachstum von 8 bis 12 Prozent vor, sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 20 Prozent bis 2028. Der Ausblick für 2026 selbst ist deutlich schwächer und rechnet mit 570 bis 610 Millionen Euro Umsatz sowie einem bereinigten EBITDA von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro, vor allem wegen verzögerter Partnerschaften und späterer Umsatzrealisierung.
Im ersten Halbjahr 2026 ist der Umsatz gesunken auf 300,123 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 371,213 Millionen Euro) und das Periodenergebnis ist gesunken auf -168,585 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: -75,055 Millionen Euro).
Das Unternehmen führt den Umsatzrückgang vor allem auf ein schwieriges Marktumfeld und schwächere Beiträge aus Partnerschaften zurück. Im Segment Discovery & Preclinical Development sank der Umsatz um 15,3 Prozent auf 228,1 Millionen Euro, weil Aufträge nur schwach in Umsatz umgewandelt wurden und die Kundennachfrage hinter den Erwartungen zurückblieb. Bei Just – Evotec Biologics fiel der Umsatz um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro, vor allem weil der einmalige Lizenzverkauf an Sandoz aus dem ersten Quartal 2025 ausblieb. Strategische Partnerschaften und Meilensteinzahlungen trugen ebenfalls weniger bei, da ein erheblicher Teil der ursprünglich erwarteten Erlöse laut Unternehmen durch geänderte Projektphasen, verzögerte Meilensteine und den späteren Abschluss neuer Partnerschaften ins Jahr 2027 rutscht. Rund 40 Prozent der Kürzung der Jahresprognose entfallen laut Evotec auf solche Verschiebungen bestehender Partnerschaften. Positiv entwickelten sich dagegen die Nettoumsätze im Discovery & Preclinical Development-Kerngeschäft ohne strategische Partnerschaften, die um rund 28 Prozent zulegten. Der deutlich größere Nettoverlust resultiert vor allem aus einmaligen Belastungen und dem niedrigeren Umsatz. Allein die Restrukturierungskosten im Rahmen des Programms „Horizon“ beliefen sich im ersten Halbjahr auf 98,9 Millionen Euro und umfassen Rückstellungen sowie Wertminderungen. Hinzu kamen weitere Wertberichtigungen, unter anderem auf Laborkapazitäten.
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