Rüstungs- und Technologie Aktie des Tages: CSG N.V.

Der Rüstungsmarkt boomt. Ein innovatives Unternehmen aus Anlegersicht ist CSG N.V. (ISIN: NL0015073TS8 / WKN: A420X0). Für den Börsengang im Januar 2026 an der Euronext Amsterdam wurde extra eine niederländische Aktiengesellschaft (CSG N.V.) als börsennotierte Muttergesellschaft gegründet, der operative Hauptsitz befindet sich aber in Prag, Tschechien. Seit dem Börsengang hat der Aktienkurs rund ein Viertel verloren, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 40.

CSG geht auf das Jahr 1995 zurück, als der tschechische Unternehmer Jaroslav Strnad in Tschechien die Firma Excalibur Army gründete, die zunächst mit militärischem Material und Ausrüstung handelte und den Kern der späteren Gruppe bildete. Die Gruppe beschäftigt weltweit über 14.000 Mitarbeiter in mehr als hundert Gesellschaften.

Das Geschäftsmodell dreht sich um eine industriell-technologische Holding mit klarem Schwerpunkt auf der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie, ergänzt um Tätigkeiten in Automotive und Luftfahrt. Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt ein breites Spektrum an Produkten: mittel- und großkalibrige Munition einschließlich Artillerie- und Panzermunition, Landfahrzeuge und Waffensysteme wie selbstfahrende Artillerie und hochmobile taktische Fahrzeuge, Radarsysteme und Elektronik für Luftverteidigung sowie fortgeschrittene Antriebstechnologien für Drohnen und Raketen. Ein zweites Standbein bildet das Segment Ammo+ mit kleinkalibriger Munition für zivile, behördliche und militärische Kunden, das durch die Übernahme der Kinetic Group in den Vereinigten Staaten deutlich ausgebaut wurde. CSG beliefert vor allem staatliche und institutionelle Kunden in über siebzig Ländern und setzt dabei auf langfristige Rahmenverträge sowie eine wachsende eigene Fertigungstiefe.

Ein zentrales Element des Geschäftsmodells ist die zunehmende vertikale Integration. Statt sich ausschließlich auf den Handel oder die Wiederaufbereitung vorhandener Bestände zu verlassen, baut die Gruppe eigene Kapazitäten für kritische Vorprodukte wie Treibladungspulver, Sprengstoffe und Zünder auf. Dazu gehören Anlagen in der Slowakei, Griechenland und Deutschland sowie die kürzlich erworbene Fläche in Gnaschwitz für Nitroglycerin. Gleichzeitig betreibt CSG ein Netz von Produktionsstätten in mehreren Ländern, über das Munition sowohl selbst hergestellt als auch in Teilen wiederinstandgesetzt wird. Die Umsätze stammen zu einem erheblichen Teil aus dem Verteidigungsgeschäft, wobei sich die geografische Verteilung in den letzten Jahren diversifiziert hat: Europa außerhalb der Ukraine macht inzwischen mehr als die Hälfte aus, die USA sind der zweitgrößte Markt, während der Anteil der Ukraine auf rund 17 Prozent gesunken ist.

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Im Mai 2026 veröffentlichte der Shortseller Hunterbrook Media, dessen verbundenes Investmentvehikel eine Short-Position aufgebaut hat, Berichte, die genau dieses Geschäftsmodell infrage stellten. Die Vorwürfe lauteten, CSG sei in erster Linie ein Händler und Aufbereiter alter Munitionsbestände statt ein echter Hersteller, die eigene Produktionskapazität für 155-Millimeter-Munition sei stark übertrieben dargestellt worden und nur an einem Standort konzentriert, und im Börsenprospekt seien wesentliche Informationen zu Tochtergesellschaftsübertragungen an den Mehrheitsaktionär Michal Strnad, ausstehenden Forderungen sowie einem Minderheitsaktionär mit Put-Option unzureichend offengelegt worden. Ein Folgebericht thematisierte außerdem Geschäfte in Indonesien über einen Intermediär und eine frühere Beteiligungstransaktion, die als mögliche Gegenleistung für Aufträge gedeutet wurde. CSG wies die Darstellungen als selektiv und unzutreffend zurück, betonte die Nutzung mehrerer Standorte in verschiedenen Ländern und erklärte, die betreffenden Forderungen seien bereits beglichen und die beanstandete Beteiligungstransaktion sei wegen ausbleibender Zahlung rückabgewickelt worden.

Für die kommenden Jahre plant CSG ein weiteres kräftiges Wachstum vor allem durch den Ausbau der eigenen Fertigung und die Erschließung neuer Märkte. Die eigene Produktion großkalibriger Munition soll bis Ende 2026 auf etwa 850.000 Schuss und bis Ende 2027 auf rund 1,1 Millionen Schuss steigen, wobei der Schwerpunkt zunehmend auf reichweitengesteigerter 155-Millimeter-Munition liegt. Parallel dazu entstehen neue Werke und Joint Ventures für Vorprodukte, Zünder und Antriebssysteme. In den Vereinigten Staaten wird die Präsenz durch die Gründung von CSG Land Systems North America, ein Büro in Washington D.C. und den Bau des Future Artillery Complex in Iowa deutlich ausgeweitet. Dort sollen ab 2029 155-Millimeter-Munition für die US-Armee hergestellt werden.

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Zusätzlich investiert die Gruppe in integrierte Systeme und Zukunftstechnologien. Dazu gehören ein mehrschichtiges Luftverteidigungssystem namens Trident inklusive Gegenmaßnahmen gegen Drohnen, ein US-Joint-Venture für Turbojet- und Turbofan-Triebwerke von Drohnen mit Serienproduktion ab 2027 sowie eine strategische Beteiligung an einem kanadischen Unternehmen für präzisionsgelenkte Raketen, Drohnenabwehr und hypersonische Technologien. Neue Führungskräfte aus etablierten westlichen Rüstungskonzernen sollen diese Internationalisierung und den Technologiewandel begleiten. Die Auftragslage mit einem Auftragsbestand von 17 Milliarden Euro plus einer Verhandlungspipeline von 29 Milliarden Euro sowie die bestätigte Jahresprognose für 2026 mit einem Umsatz von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro untermauern nach Darstellung des Unternehmens die Wachstumspläne.

Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 ist gestiegen auf 1,707 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 1,419 Milliarden Euro) und der Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen ist gestiegen auf 272 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 140 Millionen Euro).

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