Technologie Aktie des Tages: EVgo, Inc.

Die Transformation des Verkehrs hin zur Elektromobilität schreitet auch in den USA immer weiter voran. Ein spannendes Unternehmen in diesem Sektor ist EVgo, Inc. (ISIN: US30052F1003 / WKN: A3CTU1). Seit Januar 2021 hat der Aktienkurs rund 93 Prozent verloren.
EVgo, Inc. wurde im Jahr 2010 gegründet, hat seinen Hauptsitz in El Segundo in Kalifornien und beschäftigt rund 376 Mitarbeiter. Das Geschäftsmodell basiert darauf, ein landesweites öffentliches Netz von Gleichstrom-Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge in den Vereinigten Staaten zu errichten, zu besitzen und zu betreiben. Das Unternehmen installiert seine Ladeinfrastruktur an strategisch ausgewählten Standorten in Partnerschaft mit Einzelhändlern, Lebensmittelgeschäften, Einkaufszentren, Tankstellen, Eigentümern von Parkplätzen sowie öffentlichen Einrichtungen.

Fahrer von Elektrofahrzeugen können die Stationen über die EVgo-App, die Navigation im Fahrzeug oder Drittanbieter-Plattformen finden und dort Strom laden, wobei die Preise je nach Tarifmodell, Standort und Energiewirtschaftsregeln variieren. Der größte Teil der Einnahmen stammt aus dem Verkauf von Ladeenergie an private und gewerbliche Nutzer, darunter auch Flotten und Rideshare-Fahrer von Partnern wie Uber und Lyft.
Ergänzt wird dieses Kernmodell durch zusätzliche Dienstleistungen. Dazu gehören Verträge mit Autoherstellern für Ladeangebote und Integrationen, kommerzielle Ladevereinbarungen mit garantierten Zugängen oder volumenbasierten Zahlungen sowie das Angebot EVgo eXtend, bei dem Partner eigene Stationen aufbauen und EVgo die Planung, den Bau, die Vernetzung, den Betrieb und die Wartung übernimmt. Weitere Einnahmequellen ergeben sich aus Software- und Datenleistungen, Werbung, der Vermittlung von Ladeinfrastruktur sowie dem Verkauf regulatorischer Gutschriften, die durch den Betrieb des Netzes entstehen. Das Unternehmen setzt auf besonders leistungsstarke Ladegeräte mit hoher Zuverlässigkeit und Funktionen wie Autocharge, um die Kundenerfahrung zu verbessern und die Auslastung der Stationen zu steigern.
Die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells stützt sich auf steigende Durchsatzmengen pro Ladepunkt, wachsende Auslastungsraten und eine Verbesserung der Bruttomargen im Ladenetzwerk. Kosten setzen sich aus stromabhängigen Aufwendungen und standortbezogenen Betriebskosten zusammen. Durch die eigene Eigentümerschaft an den meisten Stationen profitiert EVgo von wiederkehrenden Nutzungen, während Partnerschaften und Förderprogramme die Kapitalintensität bei der Expansion mindern. Das Netz deckt mittlerweile Dutzende Bundesstaaten ab und bedient sowohl private Fahrer als auch zunehmend Flotten und autonom fahrende Fahrzeuge.
In den kommenden Jahren plant EVgo, sein öffentliches Ladenetzwerk deutlich auszubauen und bis Ende 2029 auf ein Ziel von etwa 12.500 bis 13.900 in Betrieb befindlichen Ladepunkten zu bringen. Aktuell sind es rund 5.380 Ladepunkte in 47 US-Bundesstaaten. Dieses Wachstum soll durch die anhaltende Zunahme der Zahl von Elektrofahrzeugen auf den Straßen, den steigenden Anteil öffentlicher Schnellladungen, die Standardisierung auf den NACS-Anschluss und die Expansion autonomer Fahrzeuge getragen werden. Das Unternehmen will die bestehenden Vorteile bei Standortauswahl, Kundenbindung und Partnerschaften mit Rideshare-Anbietern sowie AV-Firmen weiter ausbauen und gleichzeitig die täglichen Durchsatzmengen pro Station sowie die Einnahmen pro Ladepunkt erhöhen.
Zur Finanzierung der Expansion setzt EVgo auf nicht verwässernde Kapitalquellen, darunter ein umfangreiches Darlehen des US-Energieministeriums und kommerzielle Kreditfazilitäten, die zusammen mit vorhandenen Liquiditätsreserven den weiteren Aufbau der Infrastruktur ermöglichen sollen. Die Strategie zielt darauf ab, durch operative Hebelwirkung und verbesserte Einheitenökonomie die Bruttogewinne aus dem Ladenetzwerk so zu steigern, dass sie die Verwaltungsaufwendungen decken und die bereinigten EBITDA-Margen langfristig in einen Bereich von 25 bis 30 Prozent führen. Gleichzeitig sollen Umsatzwachstumsraten im Ladenetzwerk von 40 bis 50 Prozent pro Jahr realisiert und die Rentabilität einzelner Stationen durch höhere Auslastung und effizientere nächste Generation der Ladearchitektur weiter verbessert werden.
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ist der Umsatz gesunken auf 82,648 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 98,03 Millionen USD) und der auf die Stammaktionäre der Klasse A entfallender Nettoverlust ist gestiegen auf -20,773 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: -12,998 Millionen USD).
Der Umsatz ist gesunken und der Nettoverlust ist gestiegen, weil der starke Rückgang der Umsätze außerhalb des Ladenetzwerks den Anstieg der Ladenetzwerk-Umsätze überkompensierte: Die eXtend-Erlöse fielen um 52 Prozent auf 18,0 Millionen USD, vor allem durch deutlich niedrigere Geräteverkäufe und geringere Bauprojekte, während die Umsätze aus autonomen Fahrzeugen und Nebenleistungen um 64 Prozent auf 3,2 Millionen USD zurückgingen, insbesondere durch ausbleibende Erlöse aus Verkaufsleasing-Vereinbarungen mit Flottenkunden. Der Ladenetzwerk-Umsatz stieg zwar um 19 Prozent auf 61,4 Millionen USD dank höherer Durchsatzvolumen und Netzwerkexpansion, doch die Umsatzmixverschiebung führte zu einem um 47 Prozent niedrigeren Bruttogewinn und einer schmaleren Bruttomarge, während gleichzeitig die allgemeinen und administrativen Kosten stiegen und vor allem die Zinsaufwendungen durch höhere Verschuldung stark zulegten, was den operativen Verlust und damit den Nettoverlust insgesamt ausweitete.
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