Biopharmazeutische Aktie des Tages: ADMA Biologics, Inc.

In der biopharmazeutischen Branche gibt es sehr viele wachstumsstarke Unternehmen, eines ist die ADMA Biologics, Inc. (ISIN: US0008991046 / WKN: A12FAG). Seit Mai 2025 hat der Aktienkurs über 60 Prozent verloren und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 18.
Der entscheidende Auslöser für den massiven und beschleunigten Kursrückgang war ein Bericht des Leerverkäufers Culper Research vom 24. März 2026. Darin wirft der Leerverkäufer dem Unternehmen vor, eine künstliche Umsatzinflation durch Überverkauf an Distributoren betrieben zu haben, einen nicht offengelegten verbundenen Distributor zu nutzen und dass das tatsächliche Umsatzwachstum im Jahr 2025 bei etwa minus 3,5 Prozent gelegen habe, im Gegensatz zu den gemeldeten plus 20 Prozent. Das Unternehmen hat die Vorwürfe umgehend als irreführend und ungenau zurückgewiesen und am 25. März 2026 eine detaillierte Stellungnahme veröffentlicht.

ADMA Biologics ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich der Herstellung, Vermarktung und Entwicklung von Spezialbiologika zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten bei immungeschwächten und anderen infektionsgefährdeten Patienten verschrieben hat. Vor allem hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung, die Herstellung und die Vermarktung von speziellen Biologika aus Blutplasma spezialisiert. Das Unternehmen wurde im Jahr 2004 gegründet und beschäftigt 585 Mitarbeiter. Der Hauptsitz liegt in Ramsey in New Jersey, während das Produktionswerk in Boca Raton in Florida steht und die Zentrale für die Plasmazentren in Cary in North Carolina angesiedelt ist.
Das Geschäftsmodell von ADMA Biologics beruht auf einer vollständigen vertikalen Integration der gesamten Wertschöpfungskette, die vom Sammeln des Blutplasmas über die Verarbeitung bis hin zur Auslieferung der fertigen Produkte reicht. Diese Integration gibt dem Unternehmen eine hohe Kontrolle über Qualität und Verfügbarkeit der Rohstoffe und schafft dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil in einem Markt, in dem die Nachfrage nach Immunglobulinen stetig wächst.
Das Unternehmen betreibt eigene Plasmazentren, die unter dem Namen BioCenters bekannt sind und in den Bundesstaaten Maryland, Louisiana, North Carolina, South Carolina sowie Georgia liegen. In diesen acht zugelassenen Einrichtungen sammeln die Mitarbeiter sowohl normales Blutplasma als auch hyperimmunes Plasma von Spendern, die hohe Antikörpertiter gegen bestimmte Erreger aufweisen. Zusätzlich sichert das Unternehmen den Bedarf durch langfristige Verträge mit externen Plasmazentren ab, sodass es auf mehr als 280 weitere Sammelstellen zugreifen kann. Diese Kombination aus internen und externen Quellen gewährleistet eine stabile Versorgung mit dem notwendigen Ausgangsmaterial und erlaubt es dem Unternehmen, neue Forschungsprojekte intern zu steuern. Das gesammelte Plasma wird dann in der eigenen Produktionsanlage in Boca Raton weiterverarbeitet, wo moderne Verfahren der Fraktionierung und Reinigung zum Einsatz kommen.
Ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist die eigene Technologie zur Erhöhung der Ausbeute, die von der US-Arzneimittelbehörde genehmigt wurde und aus derselben Menge an Ausgangsplasma mehr fertiges Immunglobulin gewinnt. Diese Innovation ermöglicht es dem Unternehmen, die Ressourcen effizienter zu nutzen und die Produktion von speziellen Präparaten zu steigern, ohne zusätzliche Spenden zu benötigen. Die Anlage in Boca Raton erfüllt alle strengen Vorgaben und umfasst alle kritischen Schritte wie die Füllung in Vials, die Verpackung, die Sterilisation und die Freigabeprüfung. Dadurch behält das Unternehmen die volle Übersicht über den gesamten Prozess, was die Lieferzuverlässigkeit für Patienten und Ärzte erhöht.
Die Hauptprodukte von ADMA Biologics sind ASCENIV und BIVIGAM, zwei intravenöse Immunglobuline, die zur Behandlung von Patienten mit primärer Immundefizienz eingesetzt werden. ASCENIV zeichnet sich durch eine besonders hohe Konzentration an neutralisierenden Antikörpern gegen das RS-Virus aus, was es für Patienten mit wiederkehrenden Atemwegsinfektionen besonders wertvoll macht. Das Präparat wird aus einer Mischung von normalem Plasma und Plasma von ausgewählten Spendern hergestellt, die das Unternehmen mit einem patentierten Testverfahren identifiziert. BIVIGAM dient als Standardpräparat für die allgemeine Substitutionstherapie bei Immundefizienz und ergänzt das Angebot. Beide Produkte sind von der US-Arzneimittelbehörde zugelassen und richten sich an eine Patientengruppe, die aufgrund fehlender oder unzureichender Antikörper anfällig für schwere Infektionen ist. Das Unternehmen nutzt eine patentierte Immuntechnologie, um die Zusammensetzung der Plasmapools gezielt anzupassen und so maßgeschneiderte Therapien anzubieten.
Die Vermarktung erfolgt über ein eigenes Vertriebsteam, das aus rund 40 Mitarbeitern besteht und gezielt Fachärzte für klinische Immunologie, Infektionskrankheiten und Notfallmedizin anspricht. Das Unternehmen arbeitet eng mit etablierten Vertriebspartnern zusammen, die die Produkte an Krankenhäuser, ambulante Infusionszentren und Spezialapotheken liefern. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Präparate schnell und zuverlässig zu den Patienten gelangen, die sie benötigen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen Auftragsfertigung für andere Biopharma-Unternehmen an, was eine zusätzliche Einnahmequelle darstellt und die Auslastung der Produktionskapazitäten optimiert. Die starken Patente schützen die Technologie bis weit in die Zukunft und schaffen eine solide Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Neben den aktuellen Produkten investiert das Unternehmen in die Weiterentwicklung des Portfolios. Das führende Projekt im Pipelinebereich trägt den Namen SG-001 und zielt auf die Behandlung von Infektionen durch Streptococcus pneumoniae ab. Diese hyperimmune Globulin-Lösung soll Patienten mit geschwächtem Immunsystem vor Lungenentzündungen schützen, die jedes Jahr Hunderttausende Menschen betreffen. Die Forschung nutzt die gleiche patentierte Technologie, mit der das Unternehmen bereits bei ASCENIV Erfolge erzielt hat. Weitere mögliche Erweiterungen richten sich auf andere Atemwegsinfektionen und könnten das Angebot an speziellen Immunglobulinen ergänzen. Das Unternehmen plant auch die Zulassungserweiterung für ASCENIV bei Kindern, um die Therapieoptionen für jüngere Patienten zu verbessern.
Der Umsatz im vierten Quartal 2025 ist gestiegen auf 139,163 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 117,549 Millionen USD) und das Nettoergebnis ging zurück auf 49,379 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 111,896 Millionen USD).
Der Nettogewinnrückgang ist nicht auf operative Schwächen zurückzuführen, sondern fast vollständig auf einen einmaligen, nicht wiederkehrenden und nicht-barwirksamen Steuereffekt im Vorjahr. Im Q4 2024 hatte das Unternehmen eine nicht-cash-wirksame Ertragssteuergutschrift in Höhe von ca. 84,3 Millionen USD aus der vollständigen Auflösung einer Bewertungsreserve verbucht. Dieser Effekt fehlte 2025 vollständig und erklärt den Großteil der Differenz.
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