Amerikanische Mobilitäts Aktie des Tages: Lyft, Inc.

Eine Aktie, die es seit 2021 so richtig zerlegt hat, ist Lyft, Inc. (ISIN: US55087P1049 / WKN: A2PE38). Seit Mai 2023 hat sich der Aktienkurs allerdings wieder verdoppelt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 2,2.
Lyft, Inc. wurde im Jahr 2012 von Logan Green und John Zimmer gegründet und hat seinen Hauptsitz in San Francisco in Kalifornien. Zum Ende des Jahres 2025 beschäftigte das Unternehmen 3.913 Vollzeitmitarbeiter weltweit.

Das Geschäftsmodell von Lyft basiert auf einer digitalen Plattform, die Fahrgäste in den Vereinigten Staaten, Kanada und inzwischen auch in weiteren Ländern mit Fahrern verbindet, die ihre privaten Fahrzeuge für On-Demand-Fahrten zur Verfügung stellen. Über die mobile App können Nutzer verschiedene Kategorien von Fahrten anfordern, von Standardfahrten über geteilte Fahrten bis hin zu Premium- und größeren Fahrzeugen, wobei Lyft eine Provision auf den jeweiligen Fahrpreis erhebt und so den Großteil seines Umsatzes erzielt.
Ergänzend betreibt das Unternehmen Mikromobilitätsangebote mit Leihrädern und E-Scootern, ein Vermietungsprogramm namens Express Drive, mit dem Fahrer Fahrzeuge für den Einsatz auf der Plattform leihen können, sowie Werbe- und Datenlizenzgeschäfte. In den letzten Jahren hat Lyft durch Übernahmen wie die der europäischen Plattform Freenow und eines luxuriösen Chauffeurdienstes sein Angebot multimodal und international ausgeweitet, sodass Taxis, private Mietwagen und Premiumfahrten nun ebenfalls über die Marke vermittelt werden.
Das Unternehmen verdient zudem an der Vermittlung von Fahrten in einem hybriden Netzwerk, in dem menschliche Fahrer und autonome Fahrzeuge künftig nebeneinander eingesetzt werden sollen. Lyft selbst entwickelt die autonome Technik nicht selbst, sondern positioniert sich als Marktplatz und Betreiber von Flotteninfrastruktur über seine Tochtergesellschaft Flexdrive, die Fahrzeuge wartet, lädt und disponiert. Auf diese Weise bleibt das Kernmodell asset-light, während Partnerschaften mit Technologieanbietern die Versorgung mit selbstfahrenden Autos sicherstellen sollen.
In den kommenden Jahren will Lyft vor allem durch beschleunigtes Wachstum der Bruttobuchungen, eine stärkere internationale Präsenz und den schrittweisen Aufbau eines hybriden autonomen Netzes expandieren. Nach einem Rekordquartal im zweiten Quartal 2026 mit über 30 Millionen aktiven Fahrgästen weltweit und einem Anstieg der Bruttobuchungen um 23 Prozent plant das Management, 2026 eine Milliarde Fahrten zu erreichen und die Profitabilität weiter zu steigern.
Die Integration der europäischen Aktivitäten in eine einheitliche App, Partnerschaften mit Fluggesellschaften und Kreditkartenanbietern sowie neue Produkte wie ein Angebot für Jugendliche sollen zusätzliche Fahrgäste und häufigere Nutzungen bringen. Gleichzeitig setzt Lyft auf autonome Fahrzeuge als Wachstumstreiber: In Nashville übernimmt das Unternehmen bereits den Flottenbetrieb für Waymo-Fahrzeuge und eröffnet im Oktober 2026 ein großes Depot, während in London und weiteren europäischen Städten Fahrzeuge von Baidu auf die Plattform kommen sollen. Das Management argumentiert, dass autonome Fahrzeuge den gesamten Markt für geteilte Mobilität vergrößern statt ihn zu kannibalisieren, weil sie neue Anwendungsfälle erschließen und die Kosten senken, während menschliche Fahrer in nicht kartierten Gebieten und bei speziellen Bedürfnissen unverzichtbar bleiben.
Ein aktueller Short-Seller-Bericht von Bleecker Street Research aus dem Juli 2026 wirft dem Unternehmen vor, milliardenschwere Haftungsrisiken aus gesammelten Klagen wegen sexueller Übergriffe während Fahrten nicht ausreichend in der Bilanz zurückgestellt und in den jüngsten SEC-Filings offengelegt zu haben. Die Analysten schätzen die mögliche Belastung auf 1,3 bis 2,7 Milliarden USD und kritisieren zudem, dass die Partnerschaft mit Waymo eher einem margenarmen Dienstleistungsvertrag als einer echten Plattformkooperation gleiche. Lyft weist solche Vorwürfe zurück und verweist auf seine laufenden operativen Fortschritte und die erwartete Margenausweitung.
Im zweiten Quartal 2026 ist der Umsatz gestiegen auf 1,8435 Milliarden USD (Vorjahreszeitraum: 1,5882 Milliarden USD), Nettogewinn lag bei 50,3 Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 40,3 Millionen USD) und der freie Cashflow 319,6 bei Millionen USD (Vorjahreszeitraum: 329,4 Millionen USD).
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