Die richtige Aktienauswahl – So mache ich das!

Gute Aktien für langfristige Buy and Hold-Anleger zu finden ist eigentlich gar nicht so schwer, es gibt unzählige. Das Problem dabei ist ein ganz anderes. Leider sind die finanziellen Mittel bei jedem irgendwo begrenzt, man hat nur einen bestimmten Betrrag zur Verfügung und der soll möglichst viel Rendite erwirtschaften, ist doch verständlich.

Aber welche Aktie bringt nun am meisten Gewinn in Zukunft? Ohne Glaskugel ist das schwer zu erraten. Daher muss man erst einmal eine Vorauswahl treffen anhand von bestimmten Kriterien.

Die einen schwören auf Dividenden-Aktien, die anderen auf Wachstumsunternehmen, welche in der Regel gar keine Dividende oder nur eine sehr geringe ausschütten. Beide Strategien führen zum Erfolg. Es gibt kein richtig und falsch an dieser Stelle.

Wobei man sich schon einmal die Frage stellen sollte, was man von seinen Aktien bzw. Investment erwartet. Soll einfach nur ein Depot aufgebaut werden, auf das man im Notfall zurückgreifen kann oder will man ein zweites Einkommen neben der gesetzlichen Rente für den Ruhestand aufbauen?

In diesem Fall benötigt man monatliche Einnahmen, da sind Dividenden ideal. Wer sich für Aktien ohne Dividende oder mit einer nur sehr geringen entschieden hat, muss dann an die Substanz herangehen und Aktien verkaufen. Dies funktioniert auch, keine Frage. Der Dow Jones steigt rund 10 Prozent im Jahr, wenn man jetzt die 4-Prozent-Regel ansetzt, kein Problem.

Drei Professoren der Trinity-Universität in Texas haben 1998 versucht herauszufinden, wie viel Geld man seinem Depot entnehmen kann, damit man nicht pleite geht. Das Ergebnis waren die 4 Prozent.

Die Aktien und Dividenden steigen ja weiter, auch wenn man einige Aktien verkauft bzw. Dividenden entnimmt. Hier kommt der Zinseszinseffekt dann zum Tragen.

Allerdings ist ein Verkauf von Aktien sehr ungünstig, wenn gerade ein Crash war. Dann muss man mehr Aktien verkaufen, als man eigentlich möchte. Sehr unschön. Es ist eine Ansichtssache. Ich verkaufe wirklich ungern Aktien, außer bei einem Trade.

An Strategien zur Aktienauswahl mangelt es nicht. Ich stelle dir mal einige vor.

Du suchst dir die besten 20 Prozent der Aktien heraus, welche in den letzten 6 Monaten am stärksten gestiegen sind. Von diesen wählst du dann die mit dem niedrigsten Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) aus.

Man kann das Ganze auch umdrehen, indem man die besten 20 Prozent der Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) auswählt und von denen die mit den besten Kursentwicklungen der letzten 6 Monate kauft.

Du kannst dir auch die Unternehmen mit der besten operativen Rendite (EBIT) herauspicken und dann von denen die mit der stärksten Kursentwicklung der letzten 6 Monate auswählen.

Für mich sind vier Kriterien sehr wichtig, das Wachstum, ausgeschüttete Dividende, positives Unternehmensergebnis und die Bewertung in Relation zur Branche. Neben diesen Kriterien schaue ich mir auch das Management an. Immer schön, wenn der CEO schon viele Jahre in dem Unternehmen ist und seine Vorgänger auch waren. Diese Beständigkeit ist sehr gut für ein Unternehmen. Man investiert in Menschen, nicht in Unternehmen, sagt man.

Picken wir uns mal eine Wachstumsbranche heraus, die der Zahlungsabwickler. Ganz bekannt sind Wirecard, Adyen und StoneCo. Das die Branche Zukunft hat, ist klar.

Alle Unternehmen besitzen hohe zweistellige jährliche Wachstumsraten. Es wird immer weniger bar gezahlt, Shopping per Internet nimmt zu, Corona wird langfristig ein weiterer Turbo sein, da die Kartenzahlungen zunehmen. Diese Branche wird weiter wachsen.

Das Geschäftsmodell ist wie eine Gelddruckmaschine, die Gewinne steigen jährlich. Eine kleine Dividende schüttet bisher nur Wirecard aus, dies wird sich langfristig bestimmt noch ändern und die anderen werden nachziehen. Irgendwo müssen die Gewinne ja hin. Eine Alternative wäre ein Aktienrückkaufprogramm, wie es ebenfalls Wirecard aktuell fährt. Dies führt eigentlich zu steigenden Aktienkursen, bei Wirecard aktuell leider nicht.

Angenommen man hat jetzt die Aktien von Adyen, Wirecard und StoneCo zur Auswahl, welche kauft man jetzt? Schauen wir uns die Zahlen mal etwas genauer an.

Adyen wird dieses Jahr vielleicht ein EBITDA von 250 bis 300 Millionen Euro erwirtschaften bei einem Börsenwert von 32 Milliarden Euro. Wirecard erwartet dieses Jahr ein EBITDA von 1 bis 1,1 Milliarden Euro bei einem Börsenwert von 10 Milliarden Euro. StoneCo liegt dazwischen mit einem möglichen EBITDA von rund 240 Millionen Euro und einem Börsenwert von 4 Milliarden Euro.

Adyen ist für meinen Geschmack überbewertet. Wer früh genug eingestiegen ist, wird einen guten Schnitt gemacht haben. Jetzt würde ich mir keine Aktien von Adyen kaufen.

Am günstigsten ist Wirecard. Das Unternehmen hat derzeit allerdings einige „organisatorische“ Probleme, wie es selbst von sich sagt. Es steht der Vorwurf der Bilanzmanipulation im Raum. Belege dafür gibt es nicht, allerdings auch keine dafür, dass es nicht so ist. Dazu kommen Klagen, die Finanzaufsicht, Shortseller und der Bilanzabschluss 2019 mit dem vermutlich einschränkenden Testat von EY. Die Aktie wird sicherlich weiter unter Druck stehen. Ich selbst habe nach dem KPMG Bericht mir eine Position mit 110 Wirecard-Aktien aufgebaut, letzter Kauf fand vor einigen Tagen zu 76 Euro statt.

Wie schlau das war, wird sich zeigen. Wenn nichts dran war, ist dies sicherlich ein guter Kauf gewesen. Wenn doch, nicht so gut. Generell sollten die Aktienkurse seit Jahren steigen, damit ich die Aktie kaufe. Wirecard ist die Ausnahme.

Warren Buffett ist bei StoneCo sehr früh groß eingestiegen. Ich hatte die Aktie auch schon, habe sie damals vor dem Crash noch mit einem kleinen Gewinn verkaufen können. Jetzt warte ich auf einen Rücksetzer, dann kaufe ich mir noch paar Hundert Aktien. StoneCo ist aktuell in Brasilien aktiv. Wenn die international erst einmal richtig ausrollen, wird der Aktienkurs vermutlich explodieren.

Dieses Geschäftsmodell ist sehr gut verständlich und skalierbar, deshalb ist es so erfolgreich. Je mehr Zahlungen abgewickelt werden, desto höher steigt die Umsatzrendite. Perfekt.

Die Aktien von StoneCo und Adyen haben sich vor dem Coronacrash super entwickelt, Wirecard hat wie gesagt Image-Probleme und der Kurs ist eingebrochen. Wenn es die nicht geben würde, wäre der Aktienkurs dreimal so hoch. Die Aktie stand schon bei rund 200 Euro, bevor die negativen Meldungen durchgeschlagen haben.

Solche Überflieger suche ich. Dabei muss man sich jede Branche für sich anschauen und die Frage stellen, wird es die Branche bzw. das Unternehmen noch in 50 Jahren geben? Wenn ja, muss man sich aus dieser Branche die erfolgreichsten Unternehmen herauspicken.

Welche Unternehmen wachsen am stärksten beim Umsatz und Gewinn, bei welchen steigt der Aktienkurs am schnellsten? Dies schaue ich mir dann an und danach entscheide ich. Als langfristiger Anleger kann man auch mögliche Probleme aussitzen und muss nicht gleich die Aktie verkaufen.



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