Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Aktien zu kaufen?

Das fragen sich viele, ich auch. Die Aktienmärkte haben sich bisher gut erholt, meiner Ansicht nach viel zu schnell. Die Börse ist der Realwirtschaft meist sechs bis neun Monate voraus. Allerdings glaube ich immer noch, dass viele Anleger aktuell zu optimistisch sind.

Dies ist vermutlich die Ruhe vor dem Sturm. Die kurzzeitige Erholung der US-Arbeitsmarktzahlen wurde von der Börse positiv gewertet. Die Börsen richten sich nach den USA, daher ist dies so wichtig. Eine Woche später kamen wieder neue Arbeitslose hinzu. Nur weil die Geschäfte wieder langsam öffnen dürfen, viele in den USA haben noch geschlossen, sinkt nicht sofort automatisch die Arbeitslosenquote. Auch in Deutschland wird diese Krise einige Millionen Jobs kosten. Nicht jeder, der in Kurzarbeit ist, wird wieder in seinen Job zurückkehren.

Sofern die Staatshilfen bei den großen US-Unternehmen durch sind und sie nicht länger stillhalten müssen, wird es große Entlassungswellen geben. Viele Arbeitslose, weniger Konsum. Die USA sind eine Konsumnation, dass merken die richtig.

Da ich wieder einige Mails mit der Frage erhalten habe, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Aktien zu kaufen, habe ich jetzt diesen Artikel geschrieben. Ich habe schon öfter darüber geschrieben, versuche es noch einmal zu erklären. Niemand weiß, was die Börsen machen werden, ich auch nicht. Ich kann nur versuchen, logisch an die Sache heranzugehen, auch wenn die Börse unlogisch ist.

Meine Annahme ist, sobald die Q2-Zahlen im Juli da sind, werden wir einen besseren Einblick in die Situation der Unternehmen bekommen. Die Zahlen werden richtig mies sein und werden einige Aktienkurse einbrechen lassen.

In Deutschland müssen durch Corona angeschlagene Unternehmen bis zum 30. September 2020 keine Insolvenz anmelden, auch wenn sie es eigentlich müssten. Ab Oktober werden wir dann sehen, wie viele es nicht geschafft haben, es werden einige sein.

Wir werden vermutlich weltweit im Herbst viele Insolvenzen sehen, dies kann die Börse noch einmal abstürzen lassen. Viele Anleger, wie auch Warren Buffett, glauben dies. Die ganzen Urlaubsrückkehrer können auch eine zweite Coronawelle weltweit auslösen.

In einigen Ländern läuft die zweite Coronawelle schon. In den USA steigt die Anzahl der Infizierten in sechs Bundesstaaten wieder. Dies kann noch mehr werden. Viele halten sich nicht an die Abstandsregeln, auch in Deutschland nicht. Bei Demos in den USA haben sich viele Mitglieder der Nationalgarde mit Corona angesteckt, weil sie keinen Mund-Nasenschutz hatten. Die Gefahren lauern überall.

Was sollte man nun machen? Ich kann nur sagen, was ich mache. Bisher habe ich die Hälfte investiert, die andere Hälfte halte ich noch zurück. Dennoch beobachte ich die Börse. Wenn es bei einem für mich interessanten Unternehmen zu einem stärkeren Kurseinbruch kommt, kaufe ich auch.

Eine andere Möglichkeit wäre, sein Geld zu stückeln, in drei oder vier Teile und jeden Monat zu investieren. Man könnte es auch weiter runter stückeln und alle 14 Tage oder sogar wöchentlich kaufen, hängt vom Geldbeutel ab. Bei ETFs wäre dies relativ einfach umsetzbar. So würde sich ein durchschnittlicher Kaufpreis ergeben. Mal kauft man teurer, mal günstiger.

Konjunkturunabhängige Aktien sind nicht sehr volatil, daher würde ich da jetzt nicht unbedingt mit dem Kauf warten. Sie stürzen bei einer Krise nicht sehr stark ab. Selbst wenn ein zweiter Crash kommt, würde man bei diesen Aktien nicht übermäßig zu viel bezahlt haben, wenn man sie heute kaufen würde, da sie eh nicht sehr stark einbrechen.



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