TUI – Eine ehemalige Dividenden-Aktie mit langfristiger Perspektive?

Bei TUI lief es wirklich nicht gut. 98,5 Prozent Umsatzeinbruch im zweiten Quartal war eine Ansage, die allerdings wenig überraschend kam. Viel schlimmer kann es eigentlich kaum noch werden. Doch, geht eigentlich schon, 100 Prozent Umsatzeinbruch, dass wäre dann wohl das Ende für TUI, wenn noch einmal ein großflächiger Lockdown weltweit kommt. 1,45 Milliarden Euro Verlust hat TUI vermeldet, trotz Kostensenkungen.

Das Geschäftsjahr bei TUI endet im September. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres beträgt der Verlust bereits 2,3 Milliarden Euro. Dies wird sicherlich bis zum Ende des Geschäftsjahres mehr werden.

Nun hat TUI sich weitere Staatshilfen gesichert. Zu den bereits 1,8 Milliarden hat der Bund weitere 1,2 Milliarden Euro genehmigt. Ob TUI die wirklich benötigt, ist noch nicht klar, sagt der TUI-Chef Fritz Joussen.

TUI will sich jetzt gesund schrumpfen. Eine beliebte Strategie, die schon oft bei Unternehmen funktioniert hat. Dafür werden 8.000 Jobs gestrichen und die Flugzeugflotte bei Tuifly von 39 auf 17 Maschinen verkleinert. Des Weiteren wird bei TUI über eine Kapitalerhöhung nachgedacht. Auch könnte es möglich sein, dass Unternehmensteile verkauft werden.

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Als Aktionär schaut man in die Zukunft. Schlechte Unternehmensmeldungen lassen Aktienkurse einbrechen, wo man dann überlegen muss, wie wohl die Zukunft von dem Unternehmen aussieht. Auf Grundlage dieser Daten muss man dann entscheiden, ob man eine Aktie kauft oder lieber nicht.

Die Reiseaktivitäten haben wieder zugenommen, allerdings im bescheidenen Maße. TUI hat jetzt 1,7 Millionen Neubuchungen vermeldet. Auch darf man nicht vergessen, dass es da noch ein Problem gab, das Grounding der Boeing 737 Max Flugzeuge. Dieses Flugverbot hat TUI bereits Kosten von 293 Millionen Euro beschert. Wenn dies bis Herbst so bleibt, dann kommen weitere 220 bis 270 Millionen Euro hinzu. Für einen Großteil der Kosten soll Boeing sich bereit erklärt haben, diese zu übernehmen. Dieses Geld soll innerhalb der nächsten zwei Jahre schrittweise bezahlt werden.

Nun kam die Frage von einem Blogleser auf, ob man sich jetzt die Aktie kaufen sollte, schließlich ist sie spottbillig. Wenn wieder eine Dividende ausgeschüttet wird, in ein paar Jahren, könnte sich der Aktienkauf lohnen.

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Schauen wir uns das mal etwas genauer an. Fangen wir mit den Chart an. Die Aktie stand 1999 mal bei fast 60 Euro. Gehen wir mal lieber nicht soweit zurück. Nehmen wir nur die letzten 10 Jahre. Nach der Finanzkrise notierte die TUI-Aktie bei rund 3,14 Euro, heute steht sie bei 3,85 Euro. Sie hatte es im Mai 2018 auf über 20 Euro geschafft, ab dann ging es abwärts. Dies lag vorwiegend an dem 737 Max Debakel.

Vor dem Crash lag die Dividende für 2019 bei 54 Cent, im Jahr zuvor waren es noch 72 Cent. Ebenfalls hatte TUI die Dividendenpolitik verändert. Es sollten zukünftig, vor der Krise, 30 bis 40 Prozent des bereinigten EAT als Dividende ausgeschüttet werden, mindestens aber 35 Cent.

Wenn alles optimal laufen sollte, wird es sicherlich dennoch Jahre dauern, bis es wieder eine Dividende gibt. Die zusätzlichen Schulden beim Bund müssen auch noch zurückbezahlt werden. Daher glaube ich kaum, dass wir die 54 Cent in den nächsten Jahren wieder sehen werden. Die Dividendenrendite wäre super, wenn es so käme, aber ich glaube es nicht.

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Bleibt noch ein möglicher Kurszuwachs. Den halte ich durchaus für möglich. Den gab es auch nach der Finanzkrise. Danach hat sich die Aktie fast versiebenfacht. Sollte es aber zu weiteren Coronawellen kommen, dann wird es weiter abwärts gehen. Dies kann sogar die TUI in die Insolvenz treiben.

Daher würde ich mir diese Aktie, wie auch andere Reise-Aktien, nicht kaufen. Es ist viel zu riskant. Wir sehen in vielen Ländern steigende Zahlen bei den Infizierten. Viele Menschen sind zu unvernünftig. Ich bleibe bei Qualitätsaktien von Unternehmen, die Gewinn machen.



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