Die Börsen fahren Achterbahn – Was nun?

Es ist kaum überraschend, dass die Aktienmärkte am Donnerstag wieder stärker nachgegeben haben, so stark wie seit Ende März nicht mehr. Einige Anleger haben gleich wieder zugeschlagen und Aktien gekauft, aus Angst, etwas zu verpassen. Die Aktionäre werden dennoch pessimistischer, sonst würde es solche starken Kursrücksetzer wie am Donnerstag nicht geben. So langsam merken einige, dass es für Optimismus vielleicht doch etwas zu früh war.

Letzte Woche haben die USA 2,5 Millionen neue Jobs verkündet, diese Woche sind wieder 1,54 Millionen Neuanmeldungen zur Arbeitstlosigkeit hinzugekommen. Genaugenommen, sind die Zahlen eine Woche alt. Was wir Donnerstags hören, stammt von letzter Woche.

Dies wird noch schlimmer. Bisher halten sich die großen US-Unternehmen mit Entlassungen zurück, weil sie die staatlichen Hilfsprogramme wollen. Dies wird sich bald ändern, dann ist die Schonfrist für die Angestellten vorbei und sie werden vor die Tür gesetzt.

Analysten meinen, dass vor 2022 nichts wieder wirtschaftlich so laufen wird, wie bisher. Viele Unternehmen verschlanken sich, werden daher auch weniger Gewinn machen als vor der Krise.

Mein Lieblingsbeispiel in diesen Tagen ist die Lufthansa. Der Konzern besitzt etwas über 700 Flugzeuge. Nun hat er verkündet, dass nächstes Jahr davon noch 300 am Boden bleiben werden, 2022 noch 200 Flugzeuge. Insgesamt soll die Flotte um 100 Flieger verkleinert werden, 26.000 Angestellte werden ihren Job verlieren, die Hälfte davon in Deutschland.

An diesem Beispiel kann man sehen, wie lange es dauern wird, bis es wieder halbwegs in der Wirtschaft laufen wird. Bitte nicht falsch verstehen, 200 Flieger im Jahr 2022 noch am Boden klingt nicht nach Gewinn bei der Lufthansa. Der Konzern wird wohl eher Verlust machen. Ob da die 9 Milliarden Staatshilfe bis 2022 reichen werden, fraglich.

Flieger am Boden sind teuer. Neben den Finanzierungskosten fallen auch Standgebühren und hohe Wartungskosten an. Flugzeuge können nicht einfach so herumstehen, die müssen bewegt werden, auch wenn nur am Boden, sonst gehen die kaputt, dies kostet alles Geld.

Eine Airline benötigt rund 75 Prozent Auslastung bei einem Flugzeug, um kostendeckend zu arbeiten. Selbst wenn jetzt wieder Flüge angeboten werden, stellt sich die berechtigte Frage, ob eine Airline damit Gewinn macht. Es wird Jahre dauern, bis wir bei den Airlines einen Jahresgewinn sehen werden. Dies lässt sich auf viele Unternehmen in anderen Branchen übertragen.

Wie heißt es so schön? Alles wird gut. Die Frage ist nur wann? Erst einmal sind die fetten Jahre für viele Unternehmen vorbei. Es wird Jahre dauern, viele Unternehmen werden schließen müssen. Die Menschen halten sich mit dem Konsum zurück. Selbst wenn sie das Geld haben, geben sie es nicht aus. Dies trifft die Wirtschaft voll.

Es ist wie ein Dominospiel, alles hängt zusammen. Fällt ein Stein um, dann fallen auch weitere. Dies wirkt sich auch auf den Aktienmarkt aus. Bei vielen Unternehmen sind die Bewertungen immer noch viel zu hoch, höher als vor der Krise. Es muss eine Korrektur nach unten geben.

Daher kann es nur weitere Dämpfer für die Aktionäre geben. Die Fed hat bereits verkündet, dass nicht alles so positiv ist, wie es scheint. Die wirtschaftlichen Daten weltweit sehen schlecht aus, Rezession ist die Folge. Man geht davon aus, dass im dritten Quartal wieder eine Besserung eintritt. Bei vielen Unternehmen wird dies aber immer noch keinen Gewinn bedeuten.

Ich glaube immer noch, dass wir einen weiteren größeren Kursrücksetzer sehen werden, vielleicht nach den Zahlen des zweiten Quartals im Juli oder nach der Urlaubssaison, wenn eine mögliche zweite Coronawelle mit den Touristen anrollt.

Wer Aktien von guten Unternehmen besitzt, sollte sie behalten, nicht verkaufen.



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