Lasst uns die Welt mit grünen und ethischen Aktien retten – oder besser doch nicht?

Wie heißt es so schön? Tue Gutes und verdiene Geld damit. Verdient man aber wirklich noch Geld als Aktionär mit grünen Aktien? Eignen sich Öko-Aktien überhaupt für Buy and Hold Anleger?

Das erste Mal bin ich mit den sogenannten grünen Aktien beim Börsengang von SolarWorld und Q-Cells in Berührung gekommen. Ich habe diese Aktie nicht aus ethischen Gründen gekauft, ich wollte einfach nur schnell Geld verdienen und dies ist auch gelungen. Die Aktienkurse sind innerhalb von wenigen Monaten explodiert und ich konnte meine Aktien mit einem guten Gewinn verkaufen. Zum damaligen Zeitpunkt sind alle Aktien der Wind und Solarunternehmen an der Börse hochgeschossen, man konnte es sehr gut mit dem neuen Markt vergleichen, das Endergebnis war dann auch dasselbe.

Q-Cells ist pleite gegangen, SolarWorld hat sogar zweimal Insolvenz beantragen müssen, im Windsektor sah es mit Prokon, Windreich und Windwärts auch nicht viel besser aus.

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Allein in der Solarbranche sind seit dem Jahre 2012 über 90.000 Jobs abgebaut worden, in der Windbranche sollen im Jahr 2017 26.000 Jobs verloren gegangen sein, seit dem letzten Jahr schätzt die IG Metall weitere 8.000-10.000 verloren gegangene Arbeitsplätze.

Bis zum Jahre 2050 möchte die Bundesregierung 80 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gewinnen, wie dies allerdings gelingen soll, wenn die Hürden für den Bau von neuen Windkraftanlagen immer höher gesetzt werden und der Ausbau der Stromtrassen von Norddeutschland nach Süddeutschland auch nicht wirklich vorwärts geht, ist mir ein Rätsel. Im ersten Halbjahr 2019 wurden lediglich in Deutschland 86 neue Windkrafträder gebaut, nach Abzug der abgebauten Windkrafträder, bleiben unter dem Strich nur noch 35 neue Windkrafträder übrig.

Die großen Platzhirsche Vestas Wind, Nordex, Enercon und Siemens Gamesa haben schon seit längerer Zeit mit schwindenden Umsätzen und Gewinnen zu kämpfen. Dies spiegelt sich natürlich auch in den Aktienkursen wider. Der deutsche Markt wurde aufgrund von Überregulierung seitens der Politik kaputt gemacht, international sind die Aussichten etwas positiver, insbesondere der asiatische Markt hat deutlich zugelegt. Innerhalb des asiatischen Marktes ist China der treibende Markt, wer hätte dies gedacht?

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Aber was läuft jetzt eigentlich falsch bei den großen Windkraftanlagenbauern, wenn international der Ausbau der Windkraft eigentlich sehr gut läuft? Wettbewerber wie Senvion sind pleite gegangen, Adwen und Suzlon Energy spielen auch keine große Rolle mehr auf dem Markt, selbst die chinesischen Hersteller haben nicht so an Marktanteilen zugelegt, wie man es hätte erwarten können. Dementsprechend müssten die verbleibenden Windturbinenhersteller eigentlich an Marktanteilen gewinnen und deren Umsatz wie auch Gewinn steigen. Aber warum ist das nicht so?

Zu einem war in der Vergangenheit der deutsche Markt eine treibende Kraft für die Windkraftanlagenbauer, das Wachstum wurde durch die Überregulierung deutlich ausgebremst, zum anderen haben viele Windkraftanlagenbauer bisher Modelle mit 2-3 Megawatt gebaut und auch in der Vergangenheit bestens verkauft, der Markt allerdings verlangt mittlerweile nach leistungsfähigeren 4-5 Megawatt Modellen. Der Umbau kostet Zeit und Geld, dementsprechend spiegelt sich dies auch in den Bilanzen der Unternehmen sowie den Aktienkursen wider. Ich denke schon, dass die derzeitigen Aktienkurse mit ihrem niedrigen KGV der jetzigen Situation angemessen sind, langfristig müsste sich die Lage eigentlich wieder bessern.

Wasserstoffaktien wie Nel ASA, Plug Power, Powercell, Fuelcell Energy, Heliocentris, Hydrogenics oder Ballard Power liegen aktuell voll im Trend, da Wasserstoff für die E-Mobilität benötigt wird. Erst gestern wurde bekannt gegeben, dass Linde beim Wasserstoffspezialisten ITM Power eingestiegen ist. Wasserstoffaktien werden im Moment von den Medien sehr gehyped, ob sich die Technik allerdings langfristig auf dem Markt durchsetzt und massentauglich wird, ist noch die große Frage. Von daher betrachte ich Wasserstoffaktien durchaus als sehr risikoreich und wenn es schlecht läuft, könnten sie so enden wie die Solaraktien.

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Ich persönlich mache um gehypte Aktien in der Regel einen großen Bogen, da in diesen Märkten oft sehr viel Volalität drin ist und suche lieber nach Alternativen.

Es gibt beispielsweise das Unternehmen POTLATCH (ISIN: US7376301039), welches sich mit der nachhaltigen Waldbewirtschaftung beschäftigt, SIMS GROUP (ISIN: AU000000SGM7) Recycling von Metall und Elektroschrott oder Acciona (ISIN: ES0125220311), ein spanischer Mischkonzern, der hauptsächlich im Bereich Infrastrukturprojekte, erneuerbare Energien, Transport und Logistik, kommunale und Umweltdienstleistungen tätig ist. Alle drei genannten Unternehmen sind gute Dividendenzahler und auf jeden Fall mal einen Blick wert.

Daher stellt sich schon die berechtigte Frage, was nutzen Aktien von einem grünen Unternehmen, mit denen man aus ethischer Sicht sehr gut schlafen kann, aber aufgrund der Entwicklung des Aktienkurses Albträume bekommt? Man sollte die Unternehmen, in welche man investieren möchte, sich vorher alle sehr genau anschauen und erst die Spreu vom Weizen trennen, bevor man sein hart verdientes Geld investiert. Ganz wichtig, immer eine eigene Meinung bilden und selbst gut recherchieren, nicht auf das hören, was andere einem sagen oder schreiben. Wie heißt es so schön? Drum prüfe, wer sich ewig bindet, zumindest was die Buy and Hold Anleger angeht.

Stell dir vor wir haben Aufschwung und keiner merkt's
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