Mein Wochenrückblick: WallStreetBets, Wirecard, Galeria Karstadt Kaufhof

WallStreetBets war diese Woche in aller Munde. Eine kleine Gruppe probt den Aufstand gegen die Hedgefonds. Vielen Anlegern gefällt dies, David gegen Goliath, Gut gegen Böse. Leider besteht dadurch auch eine Gefahr für den gesamten Aktienmarkt, dies wird immer gerne von vielen Anlegern dabei übersehen.

Generell gesehen sind Hedgefonds nicht das Böse an sich. Im Fall Wirecard haben Hedgefonds auf den Betrug aufmerksam gemacht. Die BaFin hat weggeschaut und die Verbrecher sogar auch noch beschützt. Gestern wurde bekannt, dass endlich der BaFin-Chef Felix Hufeld gefeuert wurde. Seine Entlassung ist seit Jahren überfällig. BaFin-Mitarbeiter haben ebenfalls munter mit Wirecard gezockt. Nun hat die Finanzaufsicht die eigenen Mitarbeiter angezeigt. Wieder die Frage, warum erst jetzt?

In unserem Staat können Verbrecher machen, was sie wollen. Deutschland ist ein Paradies für Kriminelle. In kaum einem Land der Welt kann man so schön Geld waschen, wie in Deutschland. Auch beim Cum-Ex-Skandal erlässt der deutsche Staat gerne den Banken die Rückzahlung der zu Unrecht erhaltenen Steuerrückerstattungen in Millionenhöhe. Wie man den Medien entnehmen kann, wusste der Staat schon lange über den Betrug Bescheid und hat über Jahre zugeschaut. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Am Ende bezahlt dies der Steuerzahler.

Der deutsche Staat will jetzt auch Galeria Karstadt Kaufhof mit einem 460 Millionen Euro Kredit retten. Dies sind unsere Steuergelder. Der Staat hatte auch eine tolle Idee, er vergibt den Kredit zu hohen Zinsen und angeblich gegen Sicherheiten wie Immobilien, Markenrechte und Warenbestände. Die Zukunft liegt im Onlinehandel, nicht in großen Kaufhäusern und Geschäftsmodellen von gestern. Es entstehen immer mehr Zombie-Unternehmen in Deutschland. Ich bin mal gespannt, ob wir die 460 Millionen Euro jemals wiedersehen werden. Ich denke nein.

Zurück zur turbulenten Handelswoche. Wenn die Hedgefonds Geld verlieren, hat dies leider auch Auswirkungen auf uns Kleinanleger. An der Börse ist es ungefähr so, dass zwei Drittel des investierten Kapitals von professionellen Anlegern stammen und nur ein Drittel von Kleinanlegern.

Die Finanzwirtschaft ist vernetzt. Wackelt ein Unternehmen, dann wackeln viele. Aufgrund vieler Short Squeezes haben diverse Hedgefonds hohe Verluste eingefahren. Ein Hedgefonds spekuliert nicht nur mit einer Aktie, sondern mit Aktien von vielen Unternehmen. Meistens ist es so, geht etwas schief, dann auf breiter Front, nicht nur bei einem Titel.

Dann benötigt der Hedgefonds ganz schnell Kapital, ansonsten ist er platt, es kommt zu Margin-Calls. Zum Handelsschluss müssen alle Handelskonten ausgeglichen sein. Woher holen die Hedgefonds sich nun das Geld?

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Einige mussten schon, wie man den Medien entnehmen konnte, andere Hedgefonds anpumpen. Wenn die sich auch noch verspekulieren, reißt es die mit nach unten. Als eines der ersten Mittel werden meist andere Positionen geschlossen, Qualitätsaktien verkauft. Da diese Aktien so schnell abgestoßen werden, in größeren Mengen, brechen die Aktienkurse bei den Blue Chips mit ein. Viele Anleger lieben Standardaktien, sie glauben, damit auf der sicheren Seite zu sein. Auf diese Art werden die guten Aktien mit heruntergerissen. Wenn diese Kurse fallen, fallen die Nebenwerte gleich mit, weil Angst am Markt entsteht.

Die ersten Broker bekamen offenbar schon Angst. Sie haben den Handel mit einigen Aktien eingeschränkt, was rechtlich schwierig ist. Die ersten Schadensersatzklagen wurden offenbar schon eingereicht. Der Broker Robinhood musste schnell eine Milliarde Dollar einsammeln. Man darf nicht vergessen, es sind schon Broker pleitegegangen. Dies löst weitere Panik dann am Markt aus.

Diesen Ablauf muss man verstehen, um richtig in solchen Fällen handeln zu können. Ich hatte letzte Woche, wie ich gestern schon geschrieben hatte, ein Dutzend Positionen geschlossen. Es war offenbar richtig. Seitdem ging es mit diesen Aktien abwärts. Geschlossen habe ich aber nur Positionen, die sich seit Monaten seitwärts bewegt haben oder negativ sind, allerdings nicht alle negativen. Alle anderen Position behalte ich natürlich, Buy and Hold.

Ich habe dies getan, weil diese Aktien offenbar zu heiß gelaufen waren. Dies kommt oft vor, war bei anderen Krisen auch schon meist so. Man sucht als Anleger ja immer nach Aktien, die in den letzten Jahren super gelaufen sind, am besten 1.000 Prozent und mehr innerhalb der letzten zehn Jahre. Ich suche auch diese Wachstumsaktien.

Leider passiert es aber dann öfter, dass nach dem Kauf die Luft schlagartig heraus ist. Oft korrigiert die Aktie oder bewegt sich nur noch seitwärts. Dann fliegt die bei mir wieder aus dem Depot. Die Aktien, bei denen das nicht passiert und steigen, die behalte ich.

Es bringt nichts, in einem heißgelaufenen Markt sich dies anzuschauen. Derartige Aktien sind einfach komplett überbewertet. Man kann natürlich warten, bis die wieder steigen. Leider weiß man aber nicht, wann dies der Fall ist. Es kann Jahre dauern.

Deswegen schwenke ich dann auf Aktien um, die trotz dessen wir eine Blase haben, weiterhin steigen. Diese Aktien kaufe ich dann. Wenn die weiterhin steigen, haben somit die Anleger offenbar das Gefühl, dass diese Aktien noch nicht zu teuer sind. Daher kann man auch in einer Blase weiterhin Aktien kaufen.

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Man muss es eigentlich sogar. Auch in einer Blase kann es Jahre dauern, bis es zu einem Crash kommt. Man weiß es eben nicht. Wenn man dann keine Aktien gekauft hat, kann man von den Kursanstiegen nicht profitieren. Ich sehe aber keinen großen Crash dieses Jahr kommen, nur öfter Korrekturen, wie jetzt vielleicht. Der Februar kann etwas wilder werden.

Nur einen Fehler darf man im Crash oder in einer Korrekturphase nicht machen, zu verkaufen. Deswegen ist es so wichtig, dass du Qualitätsaktien kaufst. Ich schreibe absichtlich immer, Umsatz und Gewinn sollten jährlich steigen. Solange das Geschäftsmodell dieser Unternehmen intakt ist, werden sich diese Aktien auch wieder erholen.

Bei einer GameStop-Aktie sieht dies ganz anders aus. Dort wurde dummes Geld investiert. Die WallStreetBets-Zocker sind sehr jung, viele verstehen die Zusammenhänge gar nicht. Sie haben jetzt mal den Coronacrash erlebt, mehr aber auch nicht.

Ich bin seit vor dem Platzen der DotCom-Blase an der Börse, daher weiß ich genau, was jetzt kommt. Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Viele der WallStreetBets-Zocker werden auf die Nase fallen, viel von ihrem investierten Geld verlieren. War damals nicht anders. Wer klug war, hat seine Aktien schon längst verkauft und den Gewinn mitgenommen.

Bei WallStreetBets wird viel geschrieben, dass man seine Aktien behalten soll, damit der Aktienkurs weiter steigt. Es wird ganz schnell gehen, dann kollabiert der Kurs und das Geheule beginnt. So wird es laufen, wie immer. Alles wiederholt sich. Viele von den jungen Zockern kennen dies nicht, werden es aber bald kennenlernen.


Daher kaufe Qualitätsaktien, keine Schrotthaufen. Wenn du Bedenken an einem Geschäftsmodell hast, kaufe die Aktie nicht. Hin und wieder kaufe ich auch Aktien, wo ich davon ausgehe, dass dies keine Buy and Hold Aktie ist, wie Plug Power. Der Umsatz steigt, aber das Unternehmen ist nicht profitabel.

Ich kaufe diese Aktie dann, weil ich denke, dass sie dennoch steigen wird, da sie im Trend der Zeit ist. Diese Aktie behalte ich vielleicht drei Jahre oder so und dann verkaufe ich sie, wenn sich die Situation ändert. Muss man sehen. In solchen Fälle nehme ich auch Gewinne mit. Wenn man unsicher ist, ist dies der beste Weg.

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