Aktien-Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen – Unsinn?

Diese Aussage kennst du bestimmt auch, es ist die Frage aller Fragen an der Börse. Jeder hat dazu seine Meinung, aber was ist nun richtig? Letztendlich geht es hier darum, eine Aktie so günstig wie möglich zu kaufen und so teuer wie möglich zu verkaufen, um den maximalen Gewinn zu erzielen. Wenn man eine Glaskugel hätte und Hellseher wäre, würde dies sicherlich kein Problem darstellen, da dies aber nicht der Fall ist, gestaltet sich die Umsetzung dieser einfachen Regel in der Praxis als sehr schwierig.

Man kann sagen, dass es zwei Typen von Aktienkäufern gibt, die einen sind die kurzfristigen bis mittelfristigen Anleger und auf der anderen Seite die Buy and Hold Anleger, zu denen ich auch zähle. Beide Käufertypen haben ihre eigene Philosophie wie man bei steigenden Aktienkursen vorgehen und sich verhalten soll.

Ein Buy and Hold-Anleger arbeitet nach der allseits bekannten Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ und der kurzfristige Anleger nach dem Motto „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“. Es sind zwei komplett unterschiedliche Strategien, die hier aufeinander treffen. Der Buy and Hold-Anleger möchte einmal die Aktien kaufen und halten, der kurzfristige Anleger plant beim Kauf schon den Ausstieg. Dementsprechend ist die Aktienauswahl auch schon eine komplett andere.

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Ein Buy and Hold-Anleger wie ich, setzt auf Aktien mit hohen Dividendenrenditen, dem ist es wichtig, dass diese langfristig steigen. Er kauft Aktien von Unternehmen, die wirtschaftlich sehr gut dastehen, bereits gute Gewinne erwirtschaften, vermutlich Jahr für Jahr mehr Dividenden ausschütten werden und dies hoffentlich auch noch in Jahrzehnten tun werden. Es geht in erster Linie um die Dividenden, wenn diese steigen und die Gewinne auch, wird langfristig auch der Aktienkurs steigen. Sollte die Kurse einmal etwas einbrechen oder ein Börsencrash kommen, dann sitzt ein Buy and Hold-Anleger das Kurstief gewöhnlich aus. Warum sollte man eine Aktie auch verkaufen, wenn das Unternehmen grundsätzlich gesund ist? Bei einem Verkauf fällt schließlich auch noch eine Steuer auf den Gewinn an…

André Kostolany hat einmal gesagt: „Kleinanleger sollten nie zocken. Kauft Standardwerte und ein Schlafmittel, um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert und blitzt.“

Ein kurzfristiger Anleger tickt da ganz anders. Er setzt üblicherweise auf Wachstumsaktien, oft riskantere Werte wie Wirecard, Beyond Meat, Nel ASA oder PowerCell. Es geht in erster Linie und schnelle Kursgewinne, Dividenden sind zweitrangig. Solche Aktien sind meist aber sehr volatil, Kurseinbrüche kommen ziemlich häufig vor. Daher ist es sinnvoll, ein Verlustmanagement zu betreiben. Man sollte bei dieser Strategie grundsätzlich einen Stopp-Kurs setzen, meist um die 10-15 Prozent unter dem Einstiegskurs. Fällt die Aktie nun auf oder unter diesem Wert, wird eine automatische Verkaufsorder ausgeführt. Wenn die Aktie steigt, sollte man das Stopp-Limit entsprechend hochsetzen.

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Da Wachstumsaktien wie bereits erwähnt oft sehr volatil sind, kann eine Aktie ganz schnell mal auch um 30 Prozent einbrechen, keine Seltenheit. Manchmal geht es so schnell, dass man seine Aktie für den Stopp-Wert gar nicht losbekommt und deutlich weniger erhält. Kommt es nun zum Verkauf und man macht trotzdem Gewinn, fällt natürlich auch die Steuer und Soli an. Oft ist es aber so, dass die Aktie danach wieder steigt und wenn man es genau ausrechnet, sogar hat Geld liegen lassen durch die Steuer, Soli und Transaktionsgebühren. Diese Strategie kann daher sehr teuer sein. Oft ist es besser, die Aktie zu halten. Letztendlich weiß man es natürlich immer erst im Nachhinein, was nun richtig gewesen wäre.

Einige Anleger realisieren ihre Gewinne auch viel zu früh, nach dem Motto „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Anstatt die Aktie laufen zu lassen und einen entsprechenden Stopp zu setzen, verkaufen sie. Hier setzt die Angst ein, sie lassen sich von Emotionen leiten, sie handeln irrational.

Die durchschnittliche Haltedauer von Aktien an der NYSE liegt bei unter zwei Jahren. Investoren fehlt offenbar die Geduld für Buy and Hold, was sehr schade ist. Der Zinseszins-Effekt benötigt seine Zeit, die muss man ihm auch lassen, damit er sich voll entfalten kann.

Ich persönlich bleibe bei Buy and Hold, diese Strategie hat bisher gut für mich funktioniert. Wie heißt es so schön? „Never change a running system.“ Da ich glaube, gute Value-Aktien zu besitzen, sehe ich gar keinen Grund für einen Verkauf. Ich bekomme ja meine Dividende, evtl. dann etwas weniger, aber ich bekomme eine, was mein vorrangiges Ziel ist. Langfristig sind bei guten Value-Aktien die Risiken fast zu vernachlässigen, der Faktor Zeit löst oft die meisten Probleme.

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