Leibrente: Lohnt sich der Hausverkauf oder gibt es einen Haken bei der Immobilien-Verrentung?

Die Leibrente bietet Hauseigentümern die Möglichkeit, in ihrem geliebten Wohnhaus bis zu ihrem Tode zu leben und monatlich Geld zu erhalten. Aber ist der Hausverkauf für eine Immobilienverrentung überhaupt eine gute Idee oder hat eine Leibrente auch Nachteile?

Die Einkommenssituation bei vielen Rentnern sieht nicht immer besonders rosig aus, viele sind heute schon auf „Die Tafel“ angewiesen. Nicht jeder konnte sich eine entsprechende Zusatzrente oder andere Einkommen neben der gesetzlichen Rente aufbauen, um im Alter seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Jeder vierte Rentner konnte seine Hypotheken auf sein Haus bisher noch nicht abbezahlen. Im Alter wird dies oft noch schlechter möglich sein, da bei vielen die gesetzliche Rente niedriger ausfällt, als ihr vorheriges Einkommen.

Statistisch werden Frauen älter als Männer. Frauen erhalten meist eine niedrigere Rente als Männer, selbst mit Witwenrente ist es dann kaum noch möglich, das Haus zu halten. Neben den eigenen Lebenshaltungskosten muss das Haus instandgehalten werden und Bank will auch ihre monatlichen Raten.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man verkauft sein Haus und zieht in ein Altersheim, betreutes Wohnen oder in eine Mietwohnung. Bei einer Leibrente verkauft man sein Haus oder seine Eigentumswohnung, kann aber bis zu seinem Tode in der Immobilie wohnen bleiben.

Ich bin selbst Immobilienmakler, daher finde ich es immer sehr schade, wenn Senioren ihr Haus verkaufen müssen. Dies ist leider aber mein täglich Brot. Nicht jeder ältere Mensch hat Kinder, die das Haus erben könnten. Vielen wächst auch die Arbeit über den Kopf. Im Alter geht das alles nicht mehr so gut und schnell, kenne ich selbst von mir auch, man wird langsamer.

In Deutschland ist die Leibrente noch gar nicht so weit verbreitet, viele kennen dieses Modell nicht. Man verkauft also seine Immobilie und erhält dafür monatlich eine Rentenzahlung, bei teuren Immobilien manchmal auch noch eine Einmalzahlung zusätzlich. Im Gegenzug erhält man ein lebenslanges Wohnrecht. Dieser Verkaufsvorgang läuft notariell ab und wird auch im Grundbuch vermerkt, wie auch das lebenslange Wohnrecht.

Die Kinder sind dann außen vor, sie werden die Immobilie dann nicht erben, da sie verkauft wurde. Wenn die Kinder selbst finanzstark sind, dann kann man dies evtl. auch mit den Kindern vereinbaren, dass sie die Rentenzahlung an die Eltern leisten und das Haus dann erhalten. Manchmal haben die Eltern einfach nicht das Geld im Alter und sind auf einen Immobilienverkauf bzw. in diesem Fall, die Immobilien-Verrentung, angewiesen.

Man kann die Leibrente auch erhalten, wenn noch beide Partner leben. Sie wird dann solange bezahlt, bis beide verstorben sind. Es ist keine Voraussetzung, dass bereits der eine verstorben ist, damit man erst eine Leibrente abschließen kann.

Vieles ist verhandelbar. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit und dies sollte man auch unbedingt vereinbaren, dass es eine Mindestzeit gibt, wo die Leibrente ausgezahlt wird. Wenn man verstirbt, geht das Geld dann an die Erben. Dies ist wirklich wichtig.

Stelle dir einmal vor, dir würden 200.000 Euro zustehen, dies wird auf eine monatliche Rentenzahlung herunterrechnen, dann erhältst du 12 Monate dein Geld und danach stirbst du. Wäre ein sehr gutes Geschäft für den Käufer, wenn dann Schluss mit der Zahlung wäre.

Oft gibt es auch eine Höchstlaufzeit. Wenn du so alt werden würdest wie Jopie Heesters, dann könnte dies für den Immobilienkäufer ein Verlustgeschäft werden.

Unbedingt auch schriftlich fixieren, wer die Kosten für die Instandhaltung und Renovierung zu tragen hat. Genauso wichtig ist es, dass es eine Absicherung gibt, falls der Käufer der Immobilie pleite geht. Schließlich will man sein Geld bis zum Ende des vereinbarten Zeitraums erhalten.

Bitte verstehe, dass dies ein Geschäftsmodell ist. Es drängen immer mehr Anbieter für Leibrenten auf den Markt, welche ihren Kapitalgebern in den bunten Broschüren hohe Zinsen versprechen. Dies geht von dem Kaufpreis der Immobilie ab. Zwischen Wert der Immobilie und was man am Ende über die Jahre erhält, klafft eine große Lücke. Die Kapitalanleger und der Anbieter wollen Geld verdienen. Wer hinter diesen Unternehmen steckt, weiß man oft nicht.

Der Anbieter schickt einen Gutachter für die Immobilie vorbei, seinen Gutachter. Er wird sicherlich einen anderen Wert herausbekommen, als wenn du einen Gutachter beauftragst. Daher ist ein unabhängiger Gutachter die bessere Wahl.

Da Frauen länger leben als die Männer, bekommen sie eine niedrigere Zahlung. Dann gibt es noch den Wert des Wohnrechts, dies ist eine fiktive Miete, die ebenfalls abgezogen wird. Es gibt auch einige Privatunternehmer, die sich in dieser Branche tummeln. Die machen einen auf reichen Unternehmer und versuchen so günstig an Immobilien zu kommen. Die Bonität ist nicht immer gut. Daher immer eine Rückübertragungsklausel einbauen, wenn die Zahlung nicht mehr erfolgt.

Es gibt auch noch eine Umkehrhypothek, hast du wahrscheinlich noch nie von gehört. Bei einer normalen Hypothek bekommt man Geld von einer Bank oder Versicherung, damit man sich eine Immobilie kaufen kann. Dafür zahlt man dann monatlich seine Kreditraten ab.

Bei einer Umkehrhypothek läuft dies genau andersherum ab. Eigentümer der Immobilien bleibt erst einmal derjenige, dem sie bisher schon gehört. Die Immobilie wird aber beliehen. Nun erhält er monatlich Geld von der Bank oder Versicherung. Verstirbt er oder sie, wird abgerechnet. Die Erben können die Immobilie auslösen, also die Hypothek bezahlen und das Haus dann übernehmen oder der Hypothekengeber übernimmt die Immobilie und verkauft sie. Bleibt dann noch ein Gewinn übrig, geht dieser an die Erben.

Bitte auch nicht denken, wenn die Immobilie 250.000 Euro Wert hat, dass man die auch in monatlichen Raten bekommt. Als Erstes wird ein Risikoabschlag abgezogen, meist 25 Prozent. Die Umkehrhypothek ist auch nicht billig. Neben Zinsen fallen Bearbeitungsgebühren und noch Kosten für eine Rückversicherung der Bank an, falls einer zu lange lebt.

Man muss nicht die monatliche Auszahlungen wählen. Bei einer Umkehrhypothek kann man auch eine Einmalzahlung erhalten. Die Kosten für die Instandhaltung und Renovierung trägt in der Regel noch der Eigentümer.

Finanziell betrachtet ist ein normaler Verkauf der Immobilie die bessere Entscheidung. Eine Leibrente oder Umkehrhypothek kommt teurer, da andere daran mitverdienen. Immer vorher von einem Steuerberater beraten lassen. Leibrenten sind Einnahmen und können Steuerzahlungen auslösen.



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