Elektrochemie Aktie des Tages: Industrie De Nora S.p.A.

Der italienische Aktienmarkt hat viele sehr innovative Unternehmen für Anleger zu bieten eines ist Industrie De Nora S.p.A. (ISIN: IT0005186371 / WKN: A3DK0W). Seit Juni 2023 hat der Aktienkurs rund 70 Prozent verloren, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (roll. Hochrechn.) der Aktie liegt bei rund 15 und die zu erwartende Dividendenrendite liegt bei 1,61 Prozent.
Industrie De Nora S.p.A. wurde im Jahr 1923 von dem italienischen Ingenieur Oronzio De Nora in Mailand gegründet und hat dort bis heute seinen Hauptsitz. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 2000 Mitarbeiter weltweit.

Das Geschäftsmodell basiert auf der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von elektrochemischen Technologien und Lösungen, die industrielle Prozesse effizienter und nachhaltiger gestalten. Im Kern liefert das Unternehmen Elektroden und beschichtete Systeme für verschiedene Anwendungen, darunter die Chlor-Alkali-Industrie, die Elektronikfertigung und die Elektrowinnung von Metallen. Diese Produkte ermöglichen chemische Prozesse durch Elektrolyse und tragen dazu bei, Energieverbrauch und Emissionen in der Produktion zu senken. Gleichzeitig generiert De Nora wiederkehrende Einnahmen über den Aftermarket-Bereich, indem es Wartung, Ersatzteile und Serviceleistungen für bestehende Anlagen anbietet, was für stabile Umsätze und langfristige Kundenbeziehungen sorgt.
Ein weiterer zentraler Pfeiler ist der Bereich der Wassertechnologien. Hier bietet das Unternehmen Systeme zur Wasseraufbereitung, Desinfektion und Filtration für kommunale und industrielle Kunden an, einschließlich Lösungen für Schwimmbäder sowie fortschrittliche Technologien zur Behandlung von Trink- und Abwasser. Durch den Einsatz von Elektroden und speziellen Verfahren wie UV-Desinfektion oder Filtration hilft De Nora dabei, Wasserressourcen effizient zu nutzen und Umweltstandards einzuhalten. Mit der jüngsten Übernahme von BW Water hat das Unternehmen seine Position in diesem Segment gestärkt und ein integriertes Plattformmodell geschaffen, das Pools, Wassertechnologiesysteme und integrierte Wasserlösungen kombiniert, um ganzheitliche Angebote für Kunden in verschiedenen Branchen bereitzustellen.
Im Segment der Energiewende konzentriert sich De Nora auf Technologien für grünen Wasserstoff und die Lithiumraffination. Das Unternehmen liefert Elektrolyseure und Elektroden für die Produktion von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und beteiligt sich an Projekten zur Rückgewinnung und Veredelung von Lithium aus gebrauchten Batterien. Diese Aktivitäten positionieren De Nora als Enabler der Energiewende, indem das Unternehmen Lösungen für die Dekarbonisierung von Industrien und die Speicherung erneuerbarer Energien bereitstellt. Insgesamt zeichnet sich das Geschäftsmodell durch eine starke technologische Expertise, globale Präsenz in Amerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien sowie eine Kombination aus Projektgeschäft und Serviceleistungen aus, die sowohl kurzfristige Umsätze als auch langfristiges Wachstum ermöglichen.
Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen sein Wachstum durch die Integration der BW-Water-Übernahme zu beschleunigen, die Synergien freisetzen und den Wasserbereich in neue Märkte wie die Halbleiterindustrie erweitern soll. Der bestehende Auftragsbestand aus integrierten Wasserlösungen soll in den Jahren 2026 und 2027 in Umsätze umgewandelt werden, während neue Verträge, etwa mit führenden Halbleiterunternehmen in Europa, die Expansion vorantreiben. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf den Ausbau des grünen Wasserstoffgeschäfts, indem es Großaufträge wie den für das Moeve-Projekt in Südspanien umsetzt, das zu den größten Vorhaben dieser Art in Europa zählt und die Produktion erheblicher Mengen grünen Wasserstoffs ermöglicht.
Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Fertigstellung und Inbetriebnahme der italienischen Gigafabrik in Cernusco sul Naviglio, die Kapazitäten für nachhaltige Technologien, insbesondere kleinmaßstäbliche grüne Wasserstoffsysteme, bereitstellt und die italienische Produktionsbasis optimiert. Ergänzt wird dies durch Initiativen in der offenen Innovation, darunter den Start des EDGE Innovation Hubs und Investitionen in Climate-Tech-Fonds, um frühzeitige Technologien in Bereichen wie industrieller Dekarbonisierung und fortschrittlicher Robotik zu fördern. Organisch zielt De Nora auf eine Erhöhung der bereinigten EBITDA-Marge ab und rechnet mit robusten Umsätzen im Kernbereich, gestützt durch einen starken Auftragsbestand und die schrittweise Realisierung von Projekten in der Energiewende.
Im zweiten Quartal 2026 ist der Umsatz gestiegen auf 224,6 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 215,2 Millionen Euro) und das Nettoergebnis ist gesunken auf 10,2 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 19,5 Millionen Euro). Der Rückgang beim Nettoergebnis war vor allem auf den negativen Ergebnisbeitrag vom Joint Venture thyssenkrupp nucera zurückzuführen, der im gesamten ersten Halbjahr 2026 mehr als 16 Millionen Euro belastete. Ohne diesen Effekt wäre der Nettogewinn im Halbjahr sogar um rund 25 Prozent gestiegen.
Der starke Kursrückgang seit dem Allzeithoch 2023 lässt sich vor allem auf übertriebene Erwartungen an den Green-Hydrogen-Boom in den Jahren 2022 und 2023 zurückführen: Als führender Hersteller von Elektroden und Beschichtungen für alkalische Wasserelektrolyseure und bedeutender Anteilseigner von thyssenkrupp nucera wurde der Aktienkurs damals stark von den hohen Hoffnungen auf einen schnellen und massiven Ausbau der grünen Wasserstoffproduktion getrieben, wobei viele Investoren mit sehr starken Wachstumsraten in der Energy-Transition-Sparte rechneten. Ab Mitte 2023 zeigte sich jedoch eine deutliche Verlangsamung und Enttäuschung im Wasserstoffmarkt, da viele Großprojekte verzögert, verschoben oder abgesagt wurden – verursacht durch hohe Produktionskosten von grünem Wasserstoff, die langsamere Realisierung von Subventionen in der EU und den USA, hohe Zinsen sowie schwierigere Projektfinanzierungen und Unsicherheiten bei nationalen und internationalen Marktregeln. In der Folge blieben die Energy-Transition-Umsätze von De Nora deutlich hinter den Erwartungen zurück, was die Bewertung stark belastete und durch mehrfache Guidance-Kürzungen sowie schwächere Ergebnisse zusätzlich verstärkt wurde.
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