Wald als Kapitalanlage: Krisensicher oder riskant?

In Wald zu investieren ist eines dieser Trendthemen, welches aktuell immer populärer wird, aufgrund dieses Nachhaltigkeitsgedanken. Wald gilt als krisensicher, man muss nichts machen, die Bäume wachsen von alleine in die Höhe. Aber lohnt sich eine Geldanlage in Wald wirklich? Lässt sich mit Bäumen Geld verdienen? Baumsparen statt Bausparen quasi.

Waldflächen werden meistens vererbt, so kam ich auch zu meinem Wäldchen und mein Ackerland. Eher selten kommen große Flächen zum Verkauf und wenn, dann ziemlich teuer. Große Industrieunternehmen haben in der Vergangenheit viel Wald aufgekauft. Damals war er aber noch günstiger.

Wald als krisensicher bezeichnen meistens Menschen so, die gar keinen Wald besitzen. Sie haben das auch nur irgendwo mal gehört. Viele private Waldbesitzer würdeb dem aber widersprechen.

Auch reden einige Fonds davon, irgendwann mal in Wald investieren zu wollen. Oft reden sie aber nur davon, macht sich nett auf der Homepage und steht da schon seit Jahren. Wald ist nicht so krisensicher wie es immer behauptet wird.

Was bedeutet krisensicher? Er müsste zumindest doch seinen Wert behalten, oder? Schauen wir uns doch einmal zwei große Krisen an, die Finanzkrise 2008/2009 und die Corona-Pandemie. In der Finanzkrise ist der Industrieholzpreis bis zu 30 Prozent eingebrochen, jetzt in der Corona-Pandemie teilweise 15 Prozent. Dies ist aber nur durch diese beiden Krisen passiert und nicht das eigentliche Hauptproblem, über das man nicht so viel liest, wenn es um Kapitalanlagen bei Wald geht, dazu später.

Wenn die Fabriken geschlossen sind oder weniger produzieren, kaufen sie weniger Holz. Der Markt ist aber voll damit, somit sinkt der Holzpreis, ist doch logisch. Der Preis für Kaminholz war nicht ganz so stark eingebrochen wie Industrieholz, aber auch der war in der Krise gefallen. Dies ist aber nicht das eigentliche Problem.

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Die Trockenheit wird immer schlimmer, die Bäume sind geschwächt dadurch. Dann werden die vom Borkenkäfer befallen. Die Waldbesitzer müssen verhindern, dass der ganze Wald zugrunde geht und fällen diese Bäume so schnell wie möglich, damit man das Holz noch verwenden kann.

Dann muss es aus dem Wald geschafft werden, leichter aber gesagt, als getan. Es gibt seit Jahren so viel Holz zu transportieren, so viele Transportunternehmen gibt es gar nicht. Man darf die ganzen Sturmschäden nicht vergessen, diese umgefallenen Bäume kommen auch noch dazu und müssen aus dem Wald geschafft werden. Damit der Borkenkäfer etwas ausgebremst wird, beregnen einige Forstwirte die gelagerten Baumstämme bis zum Abtransport, was auch Geld kostet. Dieses Überangebot hat die Holzpreise seit Jahren sinken lassen.

Seit zehn Jahren ist es ganz schlimm mit dem Borkenkäfer geworden, der Holzeinschlag hat sich vervielfacht. Eine geplante Holznutzung geht gar nicht mehr, die Naturkatastrophen haben die Planung übernommen. Teilweise haben Forstbetriebe mit einem Preisverfall von 50 Prozent zu kämpfen, Borkenkäfer plus Corona zusammengerechnet.

Auch muss man mal einen Blick über die Grenzen werfen. In Tschechien gibt es ein riesiges Überangebot auf dem Holzmarkt, wie auch in anderen Ländern, auch wegen dem Borkenkäfer. Dies drückt den Holzpreis bei uns in Deutschland mit. Viele Betriebe sitzen auf riesigen Bergen Hackschnitzel, die keiner will.

Einsatz von Insektiziden im Wald ist politisch ebenfalls ein Problem und wird immer wieder verhindert. Daher kann man als Waldbesitzer nicht so gegen Schädlingsbefall vorgehen, wie man gerne möchte. Sehr stark von der Trockenheit betroffen sind Fichten, mittlerweile aber auch immer mehr Kiefern, Douglasien und Buchen. Apropos Trockenheit. Waldbrände nehmen auch zu.

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Viele Forstbetriebe verdienen kein Geld mehr, sind in die roten Zahlen gerutscht, teilweise seit Jahren und eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Der Wald müsste umgebaut werden, neue Bäume, die nicht so klimaanfällig sind, müssten gepflanzt werden. Dies geht aber nur mit Gewinnen, welche die Forstbetriebe aktuell nicht erwirtschaften.

Aus diesen Gründen ist in Deutschland kein gutes Geschäft aktuell als Waldbesitzer zu machen. Nun würden einige sagen, kein Problem, gibt ja noch Osteuropa, Russland, Skandinavien, Kanada oder die USA, da kann man auch Wald kaufen. Auch dort verschlimmert sich die Lage durch die Klimaerwärmung. Die USA haben sehr viel mit Waldbränden zu kämpfen. Wald zu besitzen und einen Wald zu bewirtschaften ist auch etwas anderes. Dies muss auch geklärt sein. Wer bewirtschaftet den?

Nun gibt es ja auch noch börsennotierte Unternehmen. Viele Aktien tun sich schwer, bewegen sich über die Jahre meist seitwärts. Europas größter privater Waldbesitzer, die Svenska Cellulosa AB (WKN: 856193 / ISIN: SE0000112724), hat sich bisher aber gut entwickelt.

Auch kursieren Angebote von Beteiligungen über geschlossene Fonds oder Direktinvestments mit zehn Prozent Rendite für Plantagen in Südamerika oder Asien. Da wäre ich sehr vorsichtig. Viele dieser Projekte sind schon gescheitert. Wenn man in Wald investieren möchte, dann wohl eher in Aktien, die kann man besser handeln und haben nicht so hohe Kaufnebenkosten wie ein physischer Wald. Die lassen sich auch schnell wieder verkaufen, wenn es zu viele Probleme geben sollte.

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