Börsen wieder im Krisenmodus – was nun?

Wer heute in sein Depot geschaut hat, wird kaum grüne Zahlen gesehen haben. Bei mir sind bis auf drei Aktien alle rot, teils dick rot. Mal sehen, wie sich die Kurse entwickeln, wenn der US-Handel beginnt. Bisher ist WD-40 sieben Prozent bei mir im Plus, juhu, WD-40 to the moon! Ich bin mit meinem Depot wieder da, wo ich vor 14 Tagen stand. Dies ist aber nicht überraschend.

Offiziell gibt es für den heutigen Kurseinbruch mehrere Gründe. In Wahrheit ist dies aber alles nicht neu, daher eher vorgeschoben. Die EZB hat ihre Strategie verändert und möchte jetzt ganz offiziell eine Inflationsrate von zwei Prozent anstreben. Vorübergehend rechnen Experten aber schon mit dem Doppelten oder noch mehr. Die EZB beabsichtigt, wie auch die US-Kollegen, zwischenzeitlich eine höhere Rate zu akzeptieren.

Chaos beim Ölpreis, der höchste Stand seit 2014. Vor einem Jahr hatten wir noch einen negativen Ölpreis. So verrückt kann es zugehen am Markt.

Dann die Chipknappheit. Vieles andere ist auch knapp, einige Fabriken stehen still. Die Hersteller erhöhen schon seit längerer Zeit ihre Preise, einige mehrfach nacheinander.

Den Stau am Suezkanal haben wir gerade hinter uns gelassen, da staut sich der Frachtverkehr jetzt in China, weil an einem wichtigen Hafen unter den Arbeitern Corona ausgebrochen ist. Die Weltwirtschaft wird sich wohl doch nicht so schnell und so stark erholen, wie angenommen. Dennoch wird immer noch von einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent für die USA gesprochen. Vor einiger Zeit waren es noch 6,5 Prozent. In den USA ist es offenbar dann doch nicht so schlimm.

Selbst die Arbeitslosenzahlen sinken dort wieder. Ein Teil der Menschen haben dort mehr Geld bekommen, wenn sie nicht gearbeitet haben, als vorher in ihrem Job. Natürlich sind die dann zu Hause geblieben. Warum sollten die zur Arbeit gehen? Wäre doch dumm gewesen. Jetzt müssen sie sich wieder einen Job suchen, dass Geld vom Staat kommt nicht mehr. Deshalb sinken die Arbeitslosenzahlen dort wieder. Die Fabriken finden auch wieder Mitarbeiter und können mehr produzieren.

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Dann haben wir noch die steigenden Coronazahlen mit der Delta-Variante, wo einige wieder Angst bekommen. Ja, die Coronazahlen steigen wieder in einigen Ländern, aber aufgrund der Impfungen wirkt sich dies nicht auf die Krankenhausaufenthalte und Todeszahlen aus. Die Impfungen wirken bisher gut. Daher ist dies aktuell eigentlich kein Problem. Mit der Herdenimmunität wird es wohl nichts in den meisten Ländern.

Die Renditen bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen sinken sogar wegen der hohen Nachfrage. Vor einiger Zeit hieß es noch, es ist schlecht, wenn die Renditen steigen. Experten waren damals von Renditen von über zwei Prozent ausgegangen. Aktuell sind es 1,26 Prozent. Stiegen die Renditen, fiel der Aktienmarkt. Jetzt ist es umgekehrt. Sinken die Renditen, fällt der Aktienmarkt auch. Weil viele institutionelle Anleger jetzt zu den Staatsanleihen greifen und die Renditen damit drücken, wird dies als eine mögliche Flucht aus dem Aktienmarkt gewertet.

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Eine steigende Inflation ist auch nicht neu. Davon wird seit Monaten geredet, dass dies so kommen wird. Ich sehe es ganz pragmatisch und betrachte dies alles nicht als ein Problem. Wir haben die letzten zwei Wochen sehr gute Handelstage gesehen. Die Börsen können nicht immer steigen. Diese Korrektur war somit überfällig. Die anderen Begründungen sind alle meist vorgeschoben.

Ich bleibe dabei, dass wir keine Sommerrally sehen werden. Nächste Woche beginnt die Berichtssaison bei den Banken und einigen anderen. Dies wird weiter für Verunsicherung sorgen. Es wird meiner Ansicht nach seitwärts gehen bis Herbst. Natürlich bleibe ich weiter investiert. Es würde mich nicht verwundern, wenn morgen wieder eine Gegenbewegung kommt.

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