Value oder Growth Aktien? Ich sage, kaufe Qualitätsaktien!

Die Gretchenfrage, sollte man lieber Value (Substanzaktien) oder Growth-Aktien (Wachstumsaktien) kaufen? Es ist keine neue Frage, die besteht schon, seitdem es die Börse gibt. Jeder Anleger hat seine Meinung dazu, da darf meine natürlich auch nicht fehlen.

Als Value Aktien bzw. Value Investing bezeichnet man eine Aktienstrategie, welche auf der Auswahl von Aktien beruht, wo der Aktienkurs günstiger ist, als der faire/innere Wert (Buchwert) der Aktie. Ganz vereinfacht ausgedrückt zahlt man für eine Aktie weniger, als der Anteil der Aktie an dem Unternehmen tatsächlich wert wäre.

Als Begründer und Vater des Value Investing gilt der US-amerikanische Investor und Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham. Sein bekanntester Schüler war die Investoren-Legende Warren Buffett.

Value-Anleger schwimmen oft gegen den Strom. Sie kaufen ihre Aktien, wenn die Krise am größten ist. Dann sind die Kurse dieser Substanz-Aktien zwar im Keller, die Unternehmen oft aber auch in der Existenz bedroht bzw. die Zukunftsaussichten sehr schlecht. Deswegen wird diese Value Investing Strategie von langfristig orientierten Buy and Hold Anlegern verfolgt.

Beim großen März-Corona-Crash waren die Öl-Aktien und auch einige Banken-Aktien unter ihrem fairen Wert zu bekommen. Es ist ein schmaler Grat, die Gefahr Geld zu verlieren ist hoch. Ich habe weder Banken- noch Öl-Aktien in meinem Depot.

Nehmen wir Ölaktien. Es ist nicht die Zukunft, viele große Anleger wie Versicherer und Pensionsfonds ziehen sich aus diesen Titeln zurück. Der größte Vermögensverwalter der Welt Blackrock drängt die Manager vieler Unternehmen zur Nachhaltigkeit. Die EU fördert dies mit Milliarden, auch der neugewählte Präsident Joe Biden will weg vom Öl. Steigen die großen Investoren aus, werden die Aktien auch nicht mehr so gut laufen. Was bleibt, ist die Dividende. Man kann so eine Entwicklung auch bei den Tabak-Aktien sehen.

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Bei den Growth-Aktien dreht sich alles um das Wachstum. Der Begriff Wachstumsaktie ist aber ein Gummiband, sehr dehnbar. Jedes Unternehmen, wo der Umsatz und Gewinn steigt, wäre ein Wachstumsunternehmen, auch wenn es nur ein Prozent wäre.

An der Börse verstehen die meisten Anleger aber unter Wachstumsunternehmen ein Unternehmen, wo der Umsatz stark steigt. Der Gewinn, der meist gar nicht vorhanden ist, es steigt oft der Verlust, wird ganz ausgeblendet. Vielen Anlegern reicht es, wenn der Umsatz zweistellig steigt.

Dieser Tunnelblick ist sehr risikoreich. Ich habe vor 20 Jahren an der Börse angefangen, den Neuen Markt miterlebt und wie die Blase geplatzt ist. Wir sehen heute immer noch diese Entwicklung. Der Umsatz eines Unternehmens steigt stark an und schon kaufen viele Anleger ohne Sinn und Verstand diese Aktie.

Viele dieser Unternehmen werden niemals Geld verdienen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Anleger dies auch kapieren. Es kann Jahre dauern, die Aktie über Jahre steigen, dann ist das Unternehmen plötzlich Pleite und die Aktie fast wertlos. Keiner will mehr die neu ausgegebenen Aktien oder Anleihen kaufen.

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Wachstumsaktien sind total überbewertet. Der heutige Wert der Aktie spiegelt den möglichen Wert in zehn Jahren wider. In derartigen Aktien ist viel Fantasie. Oft geht diese aber nicht auf. Daher bin ich immer sehr vorsichtig.

Ich kaufe keine Aktien beim IPO oder kurz danach. Es ist sicherer abzuwarten, was passiert. Oft sieht man, dass die Aktie nach dem Börsengang einbricht, weil der Preis total überteuert ist, die Erstinvestoren Kasse mache wollen und Dumme suchen.

Wenn das Unternehmen dann Gewinn erwirtschaftet, in ein paar Jahren, dann kaufe ich die Aktie, welche immer noch total überbewertet ist. Natürlich kostet die dann mehr und mir ist Rendite verloren gegangen, dafür ist es aber sicherer.

Ich verwende lieber den Begriff Qualitätsaktien. Darunter fällt für mich jedes Unternehmen, wo der Umsatz und Gewinn jedes Jahr steigt sowie das Geschäftsmodell noch in Jahrzehnten funktionieren kann. Somit ist es auch ein Wachstumsunternehmen, egal ob es im Tech-Bereich tätig ist oder Werkzeuge verkauft.

Die klassischen Value-Aktien sind meist Problemaktien. Es gibt fast immer einen Grund, warum der Aktienkurs im Keller ist. Wenn man sich den Aktienchart anschaut, dann muss man manchmal sehr lange auf den Turnaround warten, falls er kommt. Oft dreht es sich bei diesen Aktien eher um die Dividende. Diese Aktien laufen oft nicht so toll an der Börse, man muss sie nicht kaufen.

Deswegen kaufe ich derartige Aktien fast nie. Ich bin sogar etwas gierig. Eine Aktie sollte auf Sicht der letzten zehn Jahre mindestens 300 Prozent zugelegt haben, sonst kommt sie gar nicht erst auf meine Kaufliste.

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Allerdings sollte man sich auch den Chart der letzten fünf und drei Jahre anschauen. Je größer ein Unternehmen wird, desto langsamer wird meist das Wachstum, was vollkommen logisch ist, irgendwann erfolgt die Marktsättigung.

Es kann also sein, dass die Akte innerhalb der letzten zehn Jahre um 700 Prozent gestiegen ist, aber innerhalb der letzten drei Jahre nur um 50 Prozent. Diese Fälle gibt es. Dann kaufe ich die Aktie nicht. Für so eine schlechte Performance der letzten Jahre gibt es immer Gründe.

Ich habe bei mir eine 50:50 Mischung im Depot. Die Hälfte besteht aus Technologie-, Software- und Internet-Aktien, die andere aus Unternehmen der Old Economy, aber alles Wachstumsaktien. Dies ist mir wichtig, weil wir gerade wieder sehen, dass Anleger Geld aus einem Sektor abziehen und in andere investieren. Dadurch ändert sich oft das Wachstum beim Aktienkurs.

Werden mehr Aktien von einem Unternehmen gekauft, steigt der Kurs meist stärker, werden weniger Aktien gekauft, steigt er eher weniger an. Derzeit geht der Trend Richtung Value. Es laufen immer mal einige Sektoren besser an der Börse, dann wieder schlechter. Es macht der Mix am Ende.

Viele Anleger machen den Fehler, dass sie nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Sie springen laufen hin und her, verkaufen und kaufen ständig Aktien. Sie haben keine Strategie. Einmal kaufen und dann behalten. Wenn das Unternehmen solide ist und wächst, ist doch alles gut. Den Rest erledigt die Zeit. Vielen fehlt die Geduld, dies kostet sie dann Rendite.


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