Ölpreis auf Talfahrt – Größter Rückgang seit 1991

Der Ölpreis hat sich seit Jahresbeginn halbiert. Am Freitag sind die Verhandlungen der führenden Öl-Staaten über eine Drosselung der Fördermenge gescheitert. Dies in Kombination mit dem Coronavirus und der Verunsicherung an den weltweiten Börsen, hat den Ölpreis weiter einbrechen lassen.

Die Ölscheichs wollten die weltweite Fördermenge reduzieren, Russland wollte allerdings genau das Gegenteil und die Fördermenge erhöhen. Somit war eine Einigung unmöglich. Ab dem 1. April gelten gar keine Förderbeschränkungen mehr. Jetzt wollen die Saudis den Weltmarkt mit ihrem Öl überfluten,

Für die Verbraucher ist das sehr gut. Tanken und Heizöl wird jetzt noch billiger. Für die Börsen ist das natürlich weniger gut. Die Aktienkurse stehen bereits unter Druck wegen dem Coronavirus, der fallende Ölpreis führt zu weiteren Belastungen.

Russische Öl- und Gasaktien gibt es aktuell zum Schnäppchenpreis, sie werden vermutlich aber noch günstiger. Wer darüber nachdenkt russische Ölaktien zu kaufen, der sollte dies eher langfristig sehen. Solange der Ölpreis weiter sinkt, werden die Bilanzen nicht berauschend sein, dies wird sich auch auf die Dividenden auswirken. Sobald der Ölpreis sich aber wieder erholt, können hohe Dividendenrenditen winken.

Von den Aktienkursen sollte man aber nicht zu viel erwarten. Wenn die sich langfristig vielleicht verdoppeln, ist viel erreicht. Mehr kann man von diesen Aktien eher nicht erwarten.

Die Frage ist nun, wie lange der Preiskampf anhält und wer am meisten leidensfähig ist. Russland ist Kummer gewohnt. Die USA überschwemmen mit ihrem Fracking-Öl den Weltmarkt. Früher mussten die USA Öl importieren, jetzt haben sie einen Exportüberschuss und sind der größte Ölproduzent der Welt geworden. Dementsprechend ist der Ölpreis schon länger am Fallen.

Wenn die Scheichs ihre Fördermenge hochfahren, wird dies den Ölpreis weiter sinken lassen. Wer schon bisschen älter ist, kann sich vielleicht noch an Mitte der Achtziger erinnern, damals stand die Sowjetunion vor dem Staatsbankrott. Der Verfall des Erdölpreises hat seinen Teil dazu beigetragen.

Aufgrund des Coronavirus wird die Nachfrage nach Erdöl sinken. Wenn gleichzeitig die Produktion hochgefahren wird, kommt es zu einem weiteren Preisverfall. Wer wird nun den Kampf gewinnen?

Die Saudis können das Barrel für 2,80 Dollar fördern, weil ihr Öl sich auf dem Land befindet. Die Russen brauchen eher 20 Dollar pro Barrel. Beide Staaten finanzieren sich über ihr Öl und haben diese Einnahmen fest in den Staatshaushalt eingeplant. Die Russen brauchen einen Ölpreis von 42,40 Dollar für einen ausgeglichenen Haushalt, die Araber 83,60 Dollar.

Saudi-Arabien ist immer noch viel zu stark abhängig vom Erdöl. Dies kann ihnen jetzt zum Verhängnis werden. Da der Ölpreis aber um die 30 Dollar liegt, reicht es für beide Staaten nicht für einen ausgeglichenen Haushalt. Die Frage ist jetzt, wer verkraftet mehr Schulden im Staatshaushalt. Die Amerikaner werden vermutlich wieder damit beginnen, die Förderung bei kostenintensiven Projekten zurückzufahren. Ihre Großaktionäre werden bestimmt nicht zuschauen, wie die Verluste explodieren.



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